Solidarität als Waffe

Shownotes

Die Welt brennt, im Nahen Osten ist ein neuer Krieg ausgebrochen. Was hilf ist Solidarität. Zum feministischen Kampftag am 8. März erscheint daher eine besondere wochentaz-Ausgabe, die feministaz, die im Zeichen dieser feministischen Superkraft steht.

Sophie Fichtner spricht mit Manuela Heim aus dem Kernteam der feministaz über das Konzept der Ausgabe. Denn auf 52 Seiten werden solidarische Frauen auf der ganzen Welt miteinander vernetzt.

Und Lilly Schröder, Redakteurin im Berlin-Ressort, erzählt von ihrem Körper, mit sie dem 10 Jahre lang unsolidarisch war. Heute schreibt sie Liebesbriefe an ihren Bauch.

📖 Zu den Texten aus der feministaz vom 07.03.2026

Die Macht eines solidarischen Netzwerks Willst du meine Freund*in sein?, von Lilly Schröder

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🎧 Credits Schnitt: Daniel Fromm Produktion: Eva-Lotte Andereya Musik: Nicolai Kühling Cover: Lisa Schwedek Foto: Sima Ebrahimi

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00:00:00: Hi, das ist Reingehen.

00:00:02: Der Podcast der Wochentaz!

00:00:04: Ich bin Sophie Fichtner

00:00:05: und

00:00:05: bespreche für euch Geschichten aus unserer aktuellen Zeitung mit den Autorlinnen.

00:00:09: Diese Woche erscheint eine ganz besondere Ausgabe – nämlich die Feministanz.

00:00:14: Denn am Sonntag, den achten März, ist internationaler Frauentag oder auch feministischer Kampftag.

00:00:20: Jedes Jahr widmen wir uns zu diesem Anlass einem Thema... Und diesmal geht es auf den Zweiundfünfzig Seiten der Zeitungen um feministische Solidarität Und deshalb dreht sich in dieser Folge auch alles um dieses Thema.

00:00:35: Mir gegenüber sitzt jetzt Manuela Heim, sie ist Redakteurin im Inlandsressort und ist dort für die Themen gesundheit- und soziales verantwortlich.

00:00:44: Und sie isst im Kernteam der Feministtatz!

00:00:46: Hey Manu ich freu mich dass du da bist trotz eurer stressigen Schlussproduktion.

00:00:52: Es gehört ja zu tats dazu das wir am achten März besondere Seiten machten.

00:00:56: Letztes Jahr gab es zum allerersten Mal eine ganze Wochentatz zu diesem Anlass und dieses Jahr wiederholen wir das.

00:01:04: Dieses Jahr heißt die Zeitung auch nicht Frauentat, sondern Feministats?

00:01:08: Wie kam es denn dazu?

00:01:10: Das war ehrlich gesagt eine recht emotionale Diskussion und ich bin ja nicht das erste mal bei der Frauentaz wie sie bisher hieß.

00:01:18: dabei und ehrlich gesagt stellt sich die Frage nach dem Namen jedes Jahr auf Neue.

00:01:23: so wie sich der Diskurs weiter entwickelt muss man sich diese Frage auch jedes Jahr aus Neue stellen.

00:01:29: Und dieses Mal haben wir sie mit der Antwort beantwortet, wir gehen mehr Richtung Haltung also feministische Haltung und weniger Richtung Identitäten und deswegen haben wir die bisherige Frauentatz dieses Jahr Feminist hat es genannt.

00:01:42: Das passt auch ein bisschen zu unserem sehr internationalen Ansatz dieses Jahr Also auch da.

00:01:49: Ihr habt euch dafür aber entschieden weil Frauentats einfach auch ausschließt oder?

00:01:54: Genau Das holt ja eher Personengruppen ab, ne?

00:01:58: Selbst wenn du ein Sternchen dazu machst.

00:02:00: Wir haben auch überlegt ob wir es flint tags nennen und letztlich war's uns eben wichtiger alle Leute reinzuholen die feministisch denken und handeln und sich selbst der Sache verbunden fühlen.

00:02:16: Okay, ihr habt euch nicht nur das überlegt sondern auch zusätzlich ein besonderes Konzept Solidarische Frauen auf der ganzen Welt in die Zeitung geholt.

00:02:26: Kannst du mir das auch einmal erklären?

00:02:28: Ja, sehr gerne!

00:02:29: Das ist wirklich ein Experiment dieses Jahr.

00:02:32: Wir haben letztes Jahr eine Zerstreite, erstes mal wie du gesagt hast, eine ganze Ausgabe gemacht, zwei in fünfzig Seiten und das wollten wir dieses Jahr wieder so machen.

00:02:40: Und zwar mit folgender Idee also die Kernidee dieser Ausgaben ist ein solidarisches Netzwerk abzubilden dass es eigentlich schon gibt das aber noch nicht sichtbar ist.

00:02:50: und das geht so.

00:02:51: Wir fallen aus der Tür raus, also hier bei der Tatz und landen bei einer Person im direkten Umfeld die wir für solidarisch halten.

00:03:02: Und diese Person lassen wir zu Wort kommen, wir erzählen von ihr und Übersiehle – und diese Person nennt uns dann aber weitere solidarische Frauen oder Queers in ihrem bekannten Freundes-Familienkreis Suchen dann diese Personen auf und lassen auch die erzählen.

00:03:20: Und diese Person nennt uns Wiederpersonen, die sagt du hast glaub ich schon verstanden das ist quasi

00:03:25: dein Gefläch.

00:03:26: Genau ein Netzwerk also bisschen wie so'n solidarischer Kettengräf quasi.

00:03:31: Ja ihr

00:03:31: habt doch eine große Karte in der Zeitung die abbildet wer wen empfohlen hat oder wie sich dieses Netzwerk ausgebreitet hat.

00:03:41: wo habt ihr denn angefangen wenn du sagst ihr seid hier in der Nähe der Tatz vor die Tür gegangen Eine Person angesprochen.

00:03:48: Also hier ist ja dann quasi Berlin

00:03:50: Kreuzberg?

00:03:51: Genau!

00:03:52: Und von Berlin-Kreuzberg ging es direkt weiter, nicht etwa nach München, Leipzig oder Hamburg sondern direkt nach Montevideo...

00:04:02: Das liegt in...?

00:04:04: Das liegt

00:04:05: im

00:04:06: Uruguay!

00:04:07: Sehr gut!

00:04:09: Also einmal gleich übern...

00:04:11: Gleich nach Südamerika.

00:04:13: Bei einer Politikerin sind wir da gelandet die von rechts stark angefeindet wird, weil sie sich für feministische Anliegen einsetzt.

00:04:22: Von dort ging es weiter nach Kolumbien, nach ... Oh!

00:04:27: Soll ich ein bisschen aufzählen?

00:04:28: Ja gerne.

00:04:29: Nach... Die Ordnung stimmt jetzt nicht mehr.

00:04:32: Ich sage jetzt einfach mal wo wir überall waren in die Ukraine, nach Kanada, nach Kenia, nach Somaliland, nach Pakistan or you name it.

00:04:46: Schön, das ist sehr besonders.

00:04:48: Ich stelle mir jetzt auch noch wahnsinnig viel Arbeit vor!

00:04:52: Wenn du damit meinst dass es sehr aufwendig war... Wahnsinn und ich meine musst dir vorstellen am Anfang wussten wir ja nicht ob das funktioniert.

00:05:00: unsere Idee war letztes Jahr haben wir eine Ausgabe gemacht das Leben einer Frau in Deutschland von der Geburt bis zum Tod oder bis ins hohe Alter.

00:05:11: Und dieses Jahr wollten wir super international werden, das war unser Anspruch.

00:05:15: aber weißt du ob das funktioniert bei so einem Experiment dass auf Zufälligkeit basiert?

00:05:21: Absolut und eigentlich sind wir bisher als Redakteurinnen gewohnt die Artteuren anzusprechen und auszuwählen und so ist man darauf angewiesen, dass sie sich gegenseitig irgendwie auch Geschichten vorschlagen und Personen vorschlagen.

00:05:34: da gibt man ja sowas was aus der Hand

00:05:35: Genau!

00:05:37: Ich erinnere mich ganz am Anfang, als wir die Idee vorgestellt haben.

00:05:40: Dann kamen auch gleich Leute ja ich kenne da eine ganz solidarische Person dort und dort und da und wie so?

00:05:45: nein das ist nicht unsere Idee!

00:05:47: Und warum uns das so wichtig war dass wir mit diesem Zufall abzubilden?

00:05:52: Das ist zu einer grundsätzlichen Idee etwas zu zeigen was schon da ist und was eigentlich in ganz vielen Frauen und Queers steckt also ne solidarischen Haltung ein solidarisches Handeln Organisation, sondern auch ganz persönlich.

00:06:09: und das Interessante ist ja wenn du mit dem Zufall arbeitest.

00:06:13: Das Netzwerk könnte irgendwann bei dir oder bei mir landen oder bei deiner Mutter oder bei Deiner Freundin in Brasilien oder so.

00:06:20: Und das ist eigentlich der Scham daran.

00:06:22: also dass Du ein Netzwerk spinnst oder sichtbar machst geht eigentlich ums Sichtbar machen Ein Netzwerksichtbar macht was da ist und indem jede Person landen könnte im ganz kleinen und im großen solidarisch ist.

00:06:38: Ja, das finde ich sehr schön diese Idee!

00:06:40: Ich durfte ja auch schon ein bisschen reinlesen oder ob immer die Möglichkeit schon vorm Druck zu lesen und fand eine Geschichte auch besonders berührend.

00:06:49: Die ist von Teresa Platti und Grace Handel D., die haben sich in einer Unterkunft für Geflüchtete in Kalabrien kennengelernt also ganz am untersten Zipfel Italiens.

00:07:01: Das stiefelspitze?

00:07:02: Teresa arbeitete damals in dieser Unterkunft.

00:07:05: Und Grace kam nach ihrer Flucht aus Nigeria dort an und sie war schwanger, und Teresa hat sie dann bei der Geburt des Babys begleitet und war sogar im Kreißsaal und es wurde dann auch Patin des Babies.

00:07:20: Das ist Raphael, er ist jetzt schon acht Jahre alt und wächst auch in Teresas Familie mit auf und im Sommer ist er dann immer für drei Wochen bei ihr in der Familie – ich fand das irgendwie total schön!

00:07:34: wie so unterschiedliche Menschen, die von soweit voneinander herkommen, dann irgendwie so zusammenwachsen und eins werden.

00:07:41: Was für Geschichten haben dich besonders berührt?

00:07:44: Also ich muss gerade denken an die Geschichte einer Kinderchirurgin in der Ukraine, die noch einen Bombenhakel operiert hat und eigentlich längst in Rente wäre.

00:07:56: Wir haben auch einige ältere Frauen im Netzwerk, die einfach diese Idee von Solidarität... oft schon ihr ganzes Leben mit sich tragen und auch im Alter noch leben.

00:08:07: Da komme ich auch zu einem ganz wichtigen Punkt, warum wir das überhaupt gemacht haben und warum Solidarität uns in dieser Ausgabe so wichtig war.

00:08:13: Das ist natürlich auch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse Und der Brennpunkte in der Welt die nicht selten und fast immer von Männern entfacht werden und im Brand gehalten werden.

00:08:29: Und das war eine der Grundideen dieser Ausgabe, dem was entgegenzusetzen und auch der Beschneidung von Rechten, von Frauen und Queers in der ganzen Welt etwas entgegentusetzen, zwar einer der schönsten zwischenmenschlichen Kriegungen nämlich die Solidarität.

00:08:45: So sind wir natürlich in diesem Netzwerk oder nicht?

00:08:47: natürlich, dass es einfach passiert.

00:08:48: In dem Netzwerk auch in Gegenden gelandet Genau solche Brandhörte sind wie in die Ukraine.

00:08:54: Ich muss aber auch an eine Geschichte denken von zwei Frauen aus Kenia, die in Kenia einem Programm machen.

00:09:02: Das heißt I'm the Code und sie wollen einer Million Mädchen bis zum Jahr das Programmieren beibringen.

00:09:10: Und es sind Frauen... Also diese zwei Frauen, die wir da protetieren, haben so viel Schreckliches in ihrem Leben vor allem in ihrer Kindheit erlebt haben diese Kraft aus sich selbst geholt, eine andere Geschichte für sich selbst zu schreiben und diese Kraft dann aber auch weiterzugeben damit andere auch eine andere Geschichte für sich schreiben können.

00:09:33: Und ja das sind einfach krass bewegende Geschichten und Erzählungen und Frauen nicht... Es war auch ne tolle Atmosphäre in unserem Kernteam.

00:09:44: wenn dann einer von uns mit einer dieser Personen telefoniert hat Dann gesagt hat, was für ein Gespräch und weißt du wo wir jetzt wieder landen?

00:09:55: Meine Güte.

00:09:57: Wahnsinn!

00:09:57: Und dann jubelschreie durch unsere Redaktion ging weil das einfach auch uns selbst sehr bewegt hat.

00:10:05: Das kann ich mir vorstellen.

00:10:07: Danke dass ihr dieses Riesenprojekt umgesetzt habt und ich freue mich sehr diese ganzen Perspektiven zu lesen in der Zeitung.

00:10:16: Normalerweise gucken wir uns jetzt das Ding der Woche an Dass es diese Woche natürlich nicht gibt, weil das keine normale Wochentats gibt.

00:10:25: Das heißt, das Gesellschafts-Team hat nichts ausgesucht aber ich hab trotzdem etwas eingepackt und ich weiß dass du's kennst.

00:10:32: Aber du kannst trotzdem dich jetzt mal überraschen lassen was in diesem Umschlag ist.

00:10:39: Okay rasche rasche.

00:10:43: Wo hast

00:10:44: du

00:10:44: das denn schon her?

00:10:45: Ich doch das gibts noch gar

00:10:47: nicht.

00:10:49: gefragt, ob ich es schon mehr ausleihen darf.

00:10:51: Jetzt müssen wir den anderen auch erzählen was das

00:10:53: ist?

00:10:53: Ja!

00:10:54: Also das ist ein sehr großes Tuch dass eine unserer Kolleginnen gestaltet hat und das ist als Abo-Zugabe für das Feministheits-Sonder-Abo gibt quasi Und ehrlich gesagt hoffe ich oder wir vom Kernteam auch, dass wir welche kriegen.

00:11:13: also das ist so ein Solidaritätsbekundungstuch nenne ich's mal, da stehen so Slogans drauf Das

00:11:18: ist ganz bunt.

00:11:20: Es ist, finde ich sehr schön geworden, orange und rosa und lila Und ja es ist wirklich groß.

00:11:26: man kann damit viel machen Man kann sich eigentlich da drauflegen und das sich aber auch umbinden und als Tuch als Schal benutzen Als Oberteil Genau!

00:11:37: Das gibt's jetzt limitiert im Feminist-Haz-Abo.

00:11:42: Was sind so zehn Ausgaben für, ich glaube, ... und man kriegt dieses Tuch und kann einmal ein bisschen Tats-Luft-Schnuppern.

00:11:49: Ich finde es richtig schön und ich hab gedacht, das passt so gut zur Ausgabe und deshalb habe ich's verpackt.

00:11:57: Danke dass du bei mir warst und guten Endspurt!

00:12:01: Und ich hoffe, dass Tragen auch einige das Tuch oder gehen auch zu den Frauen streikt.

00:12:06: Also eigentlich sind wir in einem Superumfeld dieses Jahr mit unserer Ausgaben.

00:12:10: Ja... Das war letztes Jahr, gab's ja diesen Schal?

00:12:15: Der wurde viel getragen.

00:12:17: Vielleicht passiert das mit diesem Tuch auch?

00:12:19: Mal gucken!

00:12:20: Tschüss, bis bald!

00:12:22: Ciao!

00:12:25: Neben den Texten, die ein Netzwerk zwischen Frauen auf der ganzen Welt bildet stehen in der Feministatsgeschichte über Solidarität.

00:12:33: Lilly Schröder hat einen Text über Solidarity mit ihrem eigenen Körper geschrieben und darüber möchte ich jetzt gerne mit ihr sprechen.

00:12:40: Hallo Lilly schön dass du da bist.

00:12:44: Du bist Redakteurin für Feminismus und Gesellschaft im Berlin-Ressort, und hast diesmal einen sehr persönlichen Text geschrieben.

00:12:51: Deine Geschichte beginnt mit einem Brief an deinem Bauch.

00:12:54: Magst du die ersten Sätze einmal vorlesen?

00:12:58: Lieber Bauch!

00:12:59: Was brauchst du, dass ich dir noch nicht gebe?

00:13:02: Mach' ich immer noch zu wenig Pausen als dich zu

00:13:04: wenig?!

00:13:06: Ich probiere so sehr mich zu bessern... Und bin dir so dankbar, dass du mich durch die Schmerzen auf die Missstände in meinem Umgang mit mir selbst aufmerksam gemacht hast.

00:13:15: Das klingt so als musstest du sehr schmerzlich erfahren was passiert wenn man sich nicht solidarisch mit seinem Körper zeigt?

00:13:23: Magst du einmal etwas dazu erzählen?

00:13:25: Ich glaube ich habe mein Körper sehr lange einfach als Werkzeug verstanden und man hatte keine Verbindung dazu.

00:13:32: und genau das hieß irgendwie... Auch wenn man nur zwei Stunden geschlafen hat, immer morgens um sechs aufstehen und Leistungssport machen und nichts essen.

00:13:42: Und sogar wenn man krank ist, immer über alle Grenzen hinweg schauen und irgendwie so diese Idee von Alle sind aus Zucker aber ich bin aus Stahl und mein Körper ist aus Stahl.

00:13:52: Je mehr sich das entwickelt hat, desto mehr habe ich auch eine Essstörung entwickelt und eine Magersucht entwickelt.

00:14:00: die ginge halt auch dahin zu diesem Ausstahl.

00:14:02: sein ist gut und ich meine gesellschaftlich wird es ja auch, solange es dann nicht so über diesen bestimmten Kipppunkt gibt.

00:14:08: Gibt's ja auch eine Anerkennung für diesen Körper aus Stahl und daraus habe ich dann oder mein Körper hat halt irgendwann gestreikt und hab jetzt seit zehn Jahren so sehr starke Bauchschmerzen psychophysisch und ich denke, es ist sowohl das was aus der Magersucht resultiert als auch dieses dem Körper immer zu viel abverlangen.

00:14:33: Und immer weitermachen egal wie oft er schreit herauf.

00:14:38: also damit ein Herr ging irgendwie noch alle anderen Sachen natürlich ausbleiben in der Periode und eine Allergie zum Beispiel Alkohol zu trinken weil meine Leber das nicht mehr verarbeiten kann und so.

00:14:49: also geht mit mehr ein Herr

00:14:51: krass.

00:14:52: okay.

00:14:53: Heute schreibst du dann Briefe wie diese an deinem Bauch, auch um ihm Liebe zu zeigen.

00:15:00: Wie hast du das gelernt?

00:15:01: Das ist ja ein weiter Weg wahrscheinlich von irgendwie seinen Körper als diesen aus Stahl ansehen und dann ihm irgendwie wieder was zurückgeben und ihnen lieben zu lernen.

00:15:11: Therapie...

00:15:13: Therapie-Therapie!

00:15:15: Ist es für dich so ein Werkzeug, um das vielleicht auch zu lernen die Briefer zu schreiben?

00:15:19: Absolut, aber ich glaube es ist auch was.

00:15:21: Also ich schreibe diese Beriefe... Ich habe immer noch eigentlich jeden Tag so krasse Schmerzen und natürlich wach meistens schon weint auf weil's einfach am Ende ist wenn man nicht mehr kann.

00:15:33: Aber ich schreib sogar aus dieser Verzweifelteils heraus so nett mit meinem Körper weil ich ihm so dankbar bin inzwischen für alles was er mitgemacht hat übel nehme, dass er mir solche Schmerzen bereitet.

00:15:47: Weil ich denke du hast genug Grund dafür und das sei dir gegönnt sozusagen, dass jetzt mal deine Zeit ist.

00:15:54: Genau also... Ich glaube, dass unsere Symptome eigentlich uns halt sehr häufig zu einem verdrängenden Kern von unseren eigenen Problemen führen.

00:16:04: Und ich hatte zum Beispiel niemals irgendein Problem in meiner Art zu leben gesehen.

00:16:09: wenn mein Körper mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte dieses Ganze irgendwie so, ja ausstahl sein unantastbar sein.

00:16:18: Hätte ich alles nicht verstanden wie toxisch das ist ohne die Schmerzen, die mich dazu gebracht haben zu sagen okay ich muss irgendwas ändern?

00:16:25: Du schreibst in deinem Text auch dass wir in unserer Leistungsgesellschaft darauf trainiert sind Streiksymptome unseres Körpers zu unterdrücken.

00:16:34: Gleichzeitig werden auch kranke Körper abgewertet, genauso wie dicke Körper, transkörper, alte Körper.

00:16:41: Wir leben in einer Gesellschaft der Hard-Bodies.

00:16:44: Schreibst du dann?

00:16:45: Was genau ist damit gemeint?

00:16:47: Ein Verlust an Weiche also sowohl physisch einfach das Gefeiert wird schlank zu sein und sportlich und drahtig.

00:17:00: Ja, der dicke Körper wird so abgewertet als irgendwie exzess und verwöhnt.

00:17:06: Wohlstandsverwahrlose aber auch psychisch also ich glaube dieses so hart im Nehmen sein Und ja irgendwie so eine Weichheit die verloren geht Auch in zwischenmenschlichen Miteinander.

00:17:18: Also alle sind sehr auf Sicht bedacht und ziehen durch und machen ihr Ding.

00:17:23: Eigentlich brauchen wir unsere Körper aber auch, um Solidarität auszudrücken und sie stehen ganz oft dafür.

00:17:29: Was eigentlich sehr viel weicher beinhaltet würde ich sagen?

00:17:33: Hast du da ein paar Beispiele wo Körper für Solidaritätsstehen?

00:17:39: Also ich glaube jetzt ist Jüngste was irgendwie wieder... So im Umlauf ist es, als sich die ganzen Flinter weltweit die Haare geflochten haben.

00:17:48: Nachdem in kurdischen Gebieten ihr Esmilizen mit den geflochtenen Zöpfen von Kämpfer imposiert haben und sich da so die hare zu flechten in Solidarität bei den Jinjian Asadi-Protesten im Iran haben damals sicher auch viele die Haaren abrasiert.

00:18:03: immer wieder seit Ewigkeiten protestieren Frauen oberkörperfrei.

00:18:08: Themaaktivistinnen kleben sich mit ihren Händen und Füßen auf den Boden.

00:18:15: Ich glaube, der Körper ist immer ein Teil von solidarischen

00:18:19: Bewegungen.".

00:18:21: Und gleichzeitig versucht das Patriarchat auch Kontrolle über gerade den weiblichen Körper zu gewinnen.

00:18:29: Nackte Oberkörper dienen im Protest irgendwie als Zeichen dass man sich davon losmacht.

00:18:35: wo werden unsere Körper dann in Patriarchate vielleicht reguliert?

00:18:39: Also ich glaube einmal in Gesetzen, zum Beispiel mit Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch oder auch die Frage ja wer darf Kinder bekommen.

00:18:49: Oder auch was mir einfällt Samsspende ist in Deutschland schon lange erlaubt als Handspende im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern nicht?

00:18:57: Ja voll und ich glaube es ist halt so eine Mischung aus irgendwie... Ich meine in Deutschland sind wir gesetzlich deutlich weiter als andere Länder.

00:19:04: ne also inwiefern der Körper reguliert wird also zb Wenn mir ran hast du es, dass du nicht deine Haare zeigen darfst.

00:19:10: Aber ich glaube was die Norm betrifft das ist natürlich auch eine Regulation der weiblichen Körper im Patriarchat und das wird irgendwie extrem viel durch einfach den Blick von außen und des bewährtener Körper reguliert.

00:19:26: Wir lernen sehr früh auch, dass unsere Körper bewertet werden.

00:19:30: wir lernen sehr Früh, dass es den MailGaze gibt den männlichen Blick nachdem wir uns irgendwie Kleiden sollen benehmen müssen.

00:19:37: Erinnerst du dich daran, wann du zum ersten Mal damit konfrontiert wurdest?

00:19:43: Also ich glaube meine ersten Erinnerungen sind echt so in der Familie.

00:19:46: Ich habe auch zwei ältere Brüder die zwar nicht leicht waren, wo jede körperliche Veränderung einfach kommentiert wurde und ich weiß nicht sei es irgendwie als ich dann das erste mal ein BH getragen habe und der irgendwie an der Küchenlampe aufgehangen wurde weil sie sich so witzig fanden.

00:20:04: Ich bräuchte keinen BH und dann wurde damit rumgeworfen.

00:20:07: Und was weiß ich?

00:20:08: Und dann war es irgendwie, ach du bist eine Spinne!

00:20:10: Du bist viel zu dünn.

00:20:11: Und dann kommst du in die Pubertät und dann bist du plötzlich stemmig... ...und dann sagt noch die Mutter etwas über irgendeine Freundin, die zugenommen hat oder so.

00:20:20: Also dieses ständige Beton der Körper.

00:20:24: Das war ja auch in der Schule immer schrecklich unter Plinter genauso wie unter Typen.

00:20:30: Für mich habe ich herausgefunden dass so ein Grund für die Magersucht halt auch, weil diese... ich wollte so gerne irgendwie weiblich sein um begehrt zu werden von den Jungs aber eigentlich mochte ich total dieses Androgyne und diesen androgynen Körper.

00:20:46: Und irgendwie war die Magesucht so eine Flucht zu sagen Ich hab' dieses Total-Androgynne Weil da ist irgendwie gar nix an meinem Körper.

00:20:52: Aber das Weibliche, weil ich bin auf Diät und Frauen sind ja auf Diäd.

00:20:56: Die Nullerjahre Wavewatchers in dem wir aufgewachsen sind Das gefühlen, das schreibst du auch.

00:21:04: Man kann es als Frau Flinta... man kann dem Ganzen gar nicht gerecht werden.

00:21:09: Einerseits wird es nachgewiesen, dass als attraktiv wahrgenommene Flinterpersonen im Arbeitsleben oder im Gesundheitswesen profitieren.

00:21:18: Andererseits wird ihnen dann mehr Emotionalität und Schwäche zugeschrieben.

00:21:22: E einerseits wird von Frauen erwartet, dass sie Kinder kriegen und andererseits werden Körper abgewertet und es ist irgendwie, man macht's nie richtig.

00:21:34: So ein Gefühl hab ich immer.

00:21:36: Gibt es in dieser ganzen Verzwicktheit irgendwie auch so eine Hoffnung?

00:21:40: Was dir Hoffnung macht was du uns mitgeben kannst?

00:21:44: Ich glaube dass so viele Frauen das gar nicht mehr richtig machen wollen weil der einzige Art wie wir gewinnen können wenn du dich dem Spiel entziehst so genau und das ist irgendwie viel mehr Solidarität unter Frauen tatsächlich gibt und vielmehr den Wunsch und tatsächlich, dass sie sich einfach lösen von diesen Männer-Zirkeln die Sie bewerten.

00:22:05: Und viel mehr untereinander das irgendwie auch feiern aus der Norm zu fallen.

00:22:10: Ich meine es ist auch nur ein Koppingmechanismus im Patriarchat so dieses Bitch irgendwie Fotzig und so.

00:22:16: Trotzdem ist es eine Ermächtigung für Frauen untereinandert zu sagen wir machen nicht mit bei diesen Spielregeln und wir machen unsere eigenen Regeln und holen uns das zurück.

00:22:25: ich muss schon sagen in so jüngeren Generationen, die zum Beispiel jetzt irgendwie achtzehn-neunzen sind.

00:22:32: Dass da auf jeden Fall weniger dieses Körperthema und diese Schönheitsnorm eine Rolle spielen.

00:22:37: Ich hab das Gefühl dass sie da einfach freier schon sind!

00:22:41: Und es auch einfach mehr gefeiert wird.

00:22:42: also das ist einfach... ich meine es ist ja auch nichts was sich irgendwie gut mit feministischen Überzeugungen vereinen lässt.

00:22:49: So ne Idee von ich muss irgendwie schlank sein und dem MailGaze entsprechen und ich habe das Gefühl bei den jüngeren Generationen mehr ankommt.

00:22:58: Würdest du sagen, wir sollten alle mehr Brief an unsere Körper schreiben?

00:23:01: Ja es ist

00:23:01: absolut geil!

00:23:02: So toll.

00:23:04: Ich danke dir dass du da warst und uns von deiner Geschichte erzählt hast.

00:23:08: Und

00:23:09: ja ich denk mal an dich und schreib einen Brief an mich und meinen Körper.

00:23:13: Mach das.

00:23:14: Danke

00:23:15: Tschau.

00:23:20: Das war Reingehen der Podcast zur Wochentaz die er übrigens nur diese Woche am Kiosk bekommt.

00:23:30: Ich bedanke mich, wie immer bei Daniel Fromm für den Schnitt und Eva Lotta-Anderea für die Produktion!

00:23:36: Falls ihr es nicht wisst?

00:23:37: Die TATS hat keine Paywall – stattdessen gibt's das freiwillige Bezahlmodell Tatzzahlig.

00:23:44: Unseren Journalismus könnt ihr also unterstützen unter tatts.de.

00:23:48: slash tats minus zahl minus ich.

00:23:51: Falls ihr Lob oder Kritik habt, könnt ihr uns schreiben unter reingehen attatz.de.

00:23:56: Ich erinnere mich, beim letzten Mal habe ich noch den schönsten Satz in Jonas Text zitiert.

00:24:02: Irgendwo scheint immer die Sonne und ich glaube das war ein gutes Omen weil jetzt scheint hier schon die ganze Woche die Sonner.

00:24:10: also gehe ich jetzt raus und halte mein Gesicht in die Sonnen ins warme Licht und wünsche euch dasselbe.

00:24:16: macht's

00:24:16: gut

00:24:16: bis bald!

00:24:22: Ah,

00:24:31: sorry.

00:24:32: Nein!

00:24:32: Ist alles gut?

00:24:33: War doch voll gut bisher.

00:24:35: Blah-blah...

00:24:37: Das ist Deutsch.

00:24:38: Ich stelle mir das auch für wahnsinnig viel Arbeit

00:24:41: vor.

00:24:42: Nee, ne?

00:24:44: Ich durfte halt auf

00:24:45: das zu sagen, weil es hat ja mit vielen anderen Gründen auch noch zu tun.

00:24:48: Egal.

00:24:48: Das war's.

00:24:49: Krass.

00:24:50: Hat doch Spaß gemacht.

00:24:51: Ja.

00:24:51: Mir hatte Spaß, ich hab dir gerne zugehört.

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