Scham für den israelischen Pass

Shownotes

Mo, Lene und Mareike kennen sich seit über zehn Jahren, waren schonmal zusammen, sind heute befreundet. Jetzt ziehen sie als gleichberechtigte Eltern zu dritt ein Kind groß. wochentaz-Redakteurin Franziska Schindler hat die drei vor der Geburt gefragt, wie sie das anstellen wollen. Und ein halbes Jahr später, was die Realität aus ihren Plänen gemacht hat.

Außerdem ist Marina Klimchuk zu Gast. Die freie Journalistin kam in den Neunzigern als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland. Israel war für sie das gelobte Land, heute schämt sie sich für ihren israelischen Pass. Und nun?

📖 Zu den Texten aus der wochentaz vom 14.02.2026

Zwei Mütter sind eine zu wenig, von Franziska Schindler Jüdisch, postsowjetisch, besatzungskritisch sucht…, von Marina Klimchuk

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🎧 Credits Schnitt: Daniel Fromm Produktion: Eva-Lotte Andereya Musik: Nicolai Kühling Cover: Lisa Schwedek Foto: Sima Ebrahimi

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00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu Reingehen, dem Podcast zur Wochentanz.

00:00:04: Immer samstags reden wir hier über zwei Geschichten aus unserer Wochenzeitung.

00:00:09: Ich bin Stefan Hunglinger und in dieser Folge geht es darum wie das private und das politische zusammenhängen.

00:00:16: Vater-Mutterkind?

00:00:17: Längst sind Familie Modelle diverser als das Und trotzdem weder Staat das noch nicht voll anerkennen.

00:00:23: Mit meiner Kollegin Franziska Schindler spreche ich darüber Wie drei ihrer Freundinnen planten gemeinsam ein Kind zu bekommen wie die Elternschaft zu dritt jetzt praktisch läuft.

00:00:34: Und dann ist unsere Autorin Marina Klimt-Zukast, als Jugendliche sah sie in Israel das gelobte Land.

00:00:40: Später zog sie selbst nach Tel Aviv bis die Entfremdung kamen.

00:00:45: In den aktuellen Debatten findet sie sich nicht wieder – als russischpreige und besatzungskritische Hürdin.

00:00:52: Neben ihr sitzt jetzt Franziska Schindler.

00:00:54: Sie arbeitet mit mir im Politikteam der Wochentaz.

00:00:57: Da planen sie, wie zum Beispiel in dieser Woche was auf den Politikseiten der Wochenteits dann auch steht.

00:01:02: Sie redigiert Texte, recherchiert und schreibt aber aus selbst fleißig etwa zu Migrationsthemen und zur Linkspartei.

00:01:10: auch Hallo Franzi!

00:01:12: Hallo!

00:01:13: Diesmal hast du dich aber mit einem ganz anderen Thema beschäftigt nämlich der Elternschaft zu dritt.

00:01:18: Wie bist Du auf dieses Thema gekommen gestoßen?

00:01:21: Also mit dem Protagonist in das Interviews bin ich schon ganz lange befreundet, also mit Mo Lene und Marike.

00:01:28: Mo und Lene kenne ich schon seit über zehn Jahren glaube ich und habe deswegen den ganzen Prozess mitbekommen wie sie sich gemeinsam entschieden haben ein Kind zu bekommen und einen Samenspender gesucht haben.

00:01:41: und dann kam irgendwie gemeinsam die Idee auf dass es cool wäre das irgendwie publizistisch zu begleiten.

00:01:48: Und weil ich aber mit den drei befreundet bin, fand ich's ganz schräg und irgendwie auch journalistisch nicht so richtig sauber jetzt eine Reportage oder sowas über sich zu schreiben.

00:01:58: Und dachte okay vielleicht ist ein Interview ne gute Form?

00:02:01: Gehen wir noch mal ganz zum Anfang zurück.

00:02:04: Wie kommt man zur Dritte auf die Entscheidung Wir wollen einen Kind bekommen.

00:02:09: Die ganze Idee ging von Mo aus.

00:02:12: Und Mo hat einfach doll den Wunsch gehabt nach nem Kind, aber auch nach ner Familie Aber auch für sich ziemlich klar gehabt, das muss jetzt nicht mit einer romantischen Beziehungsperson sein.

00:02:21: Und die Menschen, die Mo in dem Moment am aller Nächsten waren sind eben Mareike und Lene.

00:02:27: Und Mo war mit Mareke und Liene auch schon mal in romantischem Beziehungen.

00:02:32: Dann haben sie sich aber getrennt und sind jetzt schon ziemlich lang einfach befreundet.

00:02:36: Und dann hat Mo die beiden einfach

00:02:38: gefragt

00:02:39: ob Sie sich vorstellen könnten gemeinsam ein Kind zu bekommen?

00:02:41: Die haben dann auch einige Monate überlegt ich stelle mir das in Moos Rolle auch gar nicht so einfach vor, dass du auszuhalten, dass da Monate lang überlegt wird.

00:02:50: Will ich das mit dir oder nicht?

00:02:51: Aber am Ende ... Mo hat es, glaube ich, gar nicht krass gefunden wie ich und am Ende haben sich aber dann alle drei dafür entschieden, das zusammen zu machen.

00:03:00: Erst mal denkt man ja, zu dritt ist kann man die Aufgaben, die es dann gibt, mit einem Kind auf drei Leute verteilen.

00:03:08: also mehr Hilfe, aber natürlich auch mehr Konfliktpotenzialen, mehr Reibung vielleicht.

00:03:14: Also man muss viele Dinge aushandeln.

00:03:17: Ich hab ja selbst keine Kinder, deswegen kann ich es nur so bedingt beurteilen.

00:03:21: Aber was sie auf jeden Fall erzählt haben war, dass sich ziemlich schnell nach der Geburt zu Rollen eingespielt haben und dass die dann auch ein bisschen dran arbeiten mussten, die aufzubrechen.

00:03:31: Und dann haben Sie sich eben überlegt wie können wir das machen?

00:03:34: Und haben dann eine Art Schichtsystem eingeführt.

00:03:37: also jeder Tag hat drei Tagesschichten und eine Nachtschicht acht bis dreizehn, dreizehn bis achtzehnt und achtzehn Uhr bis schlafen gehen.

00:03:46: Und dann übernimmt eine Person die Nacht und dann ist irgendwie so ganz klar okay du musst jetzt nicht alles machen wenn du Schicht hast aber du bist so hapverantwortlich, du packst einen Rucksack, wenn sie auf den Ausflug grün... Wenn Sie beim Kinderarzt sind, dann müssen Sie jetzt nicht irgendwie in der Situation aushandeln wer hält jetzt das Baby beim Impfen?

00:04:03: sondern das macht dann einfach die Person die gerade Schicht hat.

00:04:06: So Alles klar, ich glaube das Stillen war noch so ein anderes Thema.

00:04:10: Genau.

00:04:10: Dass man nicht so einfach war bzw die Frage stehen oder nicht stehen?

00:04:14: Ja!

00:04:15: So'n bisschen aufgeladen am Anfang also vor allem naja am Anfang damit meine ich jetzt gar nicht nach der Geburt sondern eher in dieser Phase davor wo sie sich eben schon auch mit ganz vielen Themen beschäftigt haben und die besprochen haben genau.

00:04:29: und da wars so dass Lene Der Überzeugung war, dass eine gleichberechtigte Elternschaft eigentlich nicht möglich ist.

00:04:36: Wenn eine Person, also in dem Fall wäre das dann Mo gewesen, weil Mo Juli geboren hat, voll stillt und Lene war eher so dafür, dass sie alle Prämilch geben oder so einen Kombimachen ausstillen und Prämmilch... Und Mo war es aber voll wichtig zu stillen!

00:04:52: Und Mareike hatte eher so Lenus-Positionen auch irgendwie gar nicht so einfach für Mo da so ein bisschen zwei zu eins und das hat sich aber total gut aufgelöst nach der Geburt.

00:05:05: Also sie haben jetzt einen Modell, wo Sie das kombinieren also stillen und primilch geben.

00:05:12: Sie teilen sich die Nächte auf.

00:05:14: jede Person ist für es jeder dritte Nacht sozusagen zuständig.

00:05:18: wenn Mo zuständig ist dann stillt Mo.

00:05:20: Wenn die anderen zuständig sind dann geben sie Milch.

00:05:23: aus einem Milch voll Automat So was gibt's habe ich dann gelernt.

00:05:27: Okay, hast du den auch gesehen?

00:05:28: Wie sieht Torese aus?

00:05:30: Nee doch ja!

00:05:31: Ich hab ihn auch gesehen und er sieht so ein bisschen aus wie eine Kaffeemaschine.

00:05:36: Und was macht der Milch voll Automat?

00:05:39: Ok, ich hoffe das ist jetzt richtig weiß.

00:05:41: Ja, ich habe mich nicht mit dem tiefen Milchvoll Automats auseinandergesetzt aber da ist halt so Wasser drin und dieses Pulver.

00:05:49: Da kommt die Milch in Richtung Temperatur raus direkt das Fläschchen und dann musst du jetzt nicht lang die Milch erhitzen.

00:05:57: Und das Baby schreit währenddessen, also quasi wenn du jetzt die zusammen rührst oder wenn du brust mich aus dem Kühlschrank holst.

00:06:05: Das war für Lene vor allem total wichtig weil Lene auch gesagt hat wie ist es denn für Juli?

00:06:11: Also für Julis?

00:06:11: ich dann mit mir nicht irgendwie schlechter als mit Moe zum Beispiel Juli erst mal irgendwie zehn Minuten nachts schreit und wir haben Spieß, während ich da irgendwie aufwändig diese Milch erhitzen muss.

00:06:23: Genau!

00:06:23: Und dieser Milchfallautomat hat der glaube ich auf jeden Fall sehr gute Dienste ihnen bis jetzt geleistet.

00:06:28: also Juli ist jetzt gerade so acht Monate?

00:06:32: Also ihr habt ja nochmal Bilanz gezogen?

00:06:34: Genau Ja.

00:06:35: Wie war denn die Bilanz nach diesem ersten... nach mehr als einem halben Jahr?

00:06:39: Also

00:06:40: eigentlich total positiv.

00:06:41: wie gesagt das Stillen was so eines der großen Konflikthema ist jetzt fast zu hochgegriffen, aber so eines der schwierigen Themen war.

00:06:48: Das hat er sich komplett aufgelöst und Juli macht auch das ganze super mit und lässt sich von allen durch unterschiedliche Sachen beruhigen.

00:06:58: Zum Beispiel einschlafen das ja wird mir gesagt oft so ein Thema Aber das funktioniert halt auch voll gut mit allen dreien die dann Juli halt mit unterschiedlichen Sachen beruhen.

00:07:10: Und auch zwischen ihnen haben sie irgendwie diese Schwierigkeiten, die es dann vielleicht am Anfang gab in dem ... Was ist hier eigentlich meine Rolle?

00:07:18: Und so.

00:07:19: Die haben sich auch ziemlich doll aufgelöst und ich glaub sie fühlen sich ziemlich gut miteinander.

00:07:25: und bei jetzt nicht spoilern aber...die Details, die könnt ihr ja eh nachlesen.

00:07:31: Aber sie haben sogar alle gesagt dass sie sich ein zweites Kind miteinander vorstellen können was ich schon mal ...ja, ziemlich krass finde nach einem halben Jahr mit so nem kleinen Baby

00:07:44: Ja.

00:07:44: Jetzt sind die zwischenmenschlichen Sachen das eine und wie man das alles organisiert, was es da alles zu regeln gibt.

00:07:51: aber das andere ist ja tatsächlich das deutsche Recht derzeit nur zwei rechtliche Elternteile kennt?

00:07:58: So

00:07:58: ist es!

00:07:59: Was bedeutet das für ne Familie wie die du begleitet hast?

00:08:03: Der deutsche Staat kennt nur zweirechtliche Elternteile.

00:08:05: aber da gehen wir jetzt auch von einer Situation aus in dem sich die zwei eben in ein liebes Beziehung befinden oder also... die zwei, die der deutsche Staat kennt.

00:08:16: Die Ampel hatte eigentlich eine Reform des Abstammensrechts geplant.

00:08:19: Die ist aber geplatzt bevor überhaupt die Koalitionserbrochenis bzw.

00:08:24: der Entwurf hing fest.

00:08:25: es ging nicht weiter so.

00:08:26: und was jetzt die gemacht haben?

00:08:29: weil's eben überhaupt keine rechtliche Grundlage für sowas wie ihre Familie gibt dass Marike und Mo geheiratet haben sich also quasi als Paar ausgeben dass Verfahren der Stiefkind-Adoption durchlaufen haben, das jetzt abgeschlossen.

00:08:46: Sie sind beide rechtliche Eltern und Lene geht aber leer aus und hat überhaupt keine rechtliche Beziehung zum Kind.

00:08:54: Also hat eine Vollmacht

00:08:55: z.B.,

00:08:56: um zum Arzt zu gehen oder so was.

00:08:58: Aber sichere Eltern schafft es natürlich nicht!

00:09:01: Und auch sowas wie Elternzeit nehmen oder Elterngeld bekommen davon ist Lene auch ausgestoßen.

00:09:10: Lass uns noch einmal kurz über die Stiefkind-Adoptionen sprechen.

00:09:14: Das betrifft ja nämlich nicht nur Leute, die mit mehreren Personen Eltern sein wollen sondern zum Beispiel auch lesbische Ehepaare.

00:09:23: Ja genau also wahrscheinlich sogar in der überwiegenden Zahl und das ist halt rechtlich eigentlich genau das gleiche Verfahren wie bei einer echten Stiefkant Adoption.

00:09:33: Also ich meine die Kinder werden ja nicht adoptiert sie werden einfach Beziehung oder eine Familie, oder eine Ehe wie auch immer hineingeboren.

00:09:43: Und das haben halt von Anfang an die Eltern, die sie sich auch lange gewünscht haben.

00:09:47: und oft haben die Eltern ja auch schon lange Zeit und in vielen Fällen auch viel Geld investiert um eben dieses Kind bekommen zu können.

00:09:55: Jetzt werden die aber so behandelt als würden also nicht biologische ... Das nicht-biologische Elternteil wird eben so behandlt als sei es eine Stiefkind-Adaption unterschiedliches.

00:10:07: Also es wird sehr unterschiedlich gehandhabt von den Jugendämtern, aber in den allermeisten Fällen bedeutet das einen Besuch zu Hause wo eben jemand vom Jugendamt hin kommt und dann kann es sein dass die Person einfach sagt sorry ich finde selbst blöd dass es die Schiefkind Adoption gibt.

00:10:26: Ich war jetzt hier vielen Dank schönen Tag noch.

00:10:28: Oder aber, dass die Mitarbeiterin vom Jugendamt dann eben sich ganz genau die Wohnung anschaut.

00:10:35: Schaut gibt es irgendwelche Ecken an den Tischen?

00:10:37: Ist das Kinder geeignet?

00:10:38: und so weiter.

00:10:40: Und dann müssen Dokumente eingereicht werden also die Elternberichten von Gesundheitszeugnissen, die sie beibringen müssen, Einkommensnachweise, Führungszeugnis... Ja, Sie sind ja damit quasi die einzigen Eltern, die ihre Eignung als Eltern nachweisen müssen!

00:10:58: im Gegensatz zu Hetero-Konstellation und das ist schon ziemlich entwürdigend.

00:11:03: Und unter dieser Regierung, also der schwarzroten Koalition besteht da gar keine Aussicht dass dieser Entwurf nochmal auf den Tisch kommt?

00:11:12: Naja es gibt zwei Wege die vielleicht doch noch ein bisschen erfolgreich versprechen sind.

00:11:19: einerseits würde die Justizministerin Stephanie Huvik eigentlich sehr gerne von der SPD sehr gerne die Stiefkind Adoption abschaffen und sagt auch, sie arbeitet in einem Regelungsentwurf.

00:11:32: Das

00:11:33: kann da noch eine Weile dauern aber ihr Ministerium arbeitet an einem Regelungshentwurf.

00:11:37: Aber sie muss natürlich irgendwie die Union wird auf ihre Seite bekommen.

00:11:42: das könnte kompliziert werden

00:11:44: weil die gerade eher für ein sehr traditionelles Familienbild steht und

00:11:48: nicht gerade

00:11:49: für Fortschritte im Bereich der Familienpolitik.

00:11:52: Genau also Friedrich Merz hatte

00:11:54: mal

00:11:54: Karin Meerska sowas gesagt wie Gleichstellung von lesbischen Muttern in Adoptionsverfahren.

00:12:00: können er sich vorstellen, dass es jetzt nur so parauffrasiert.

00:12:03: Aber was genau das jetzt heißt und wie das mit der Union?

00:12:06: noch eine andere Frage?

00:12:08: Der andere Weg, der aber vielleicht noch eingeschlagen werden könnte oder der bereits eingeschlagen ist über das Bundesverpassungsgerichter sind nämlich gerade insgesamt abgefahren anhängig von lesbianen Müttern also Stiefkind-Adoptionverfahren.

00:12:24: Wenn das Bundesverfassungsgericht dazu eine Entscheidung trifft, dann könnte eben der Gesetzgeber dadurch verpflichtet sein die Rechtslage zu ändern.

00:12:31: Also kann man jetzt auf Karlsruhe hoffen?

00:12:35: Auch wieder kompliziert, denn diese Verfahren liegen dort schon sehr lange.

00:12:39: also die ersten wurden so im Februar-Märr-Zwischen-Einenzwanzig eingereicht.

00:12:44: Bis Jahresende hat sich nicht besonders viel getan vielleicht noch mal in den letzten Wochen aber meine Info ist dass bis Jahresende da nicht viel passiert ist.

00:12:53: Aber jetzt vielleicht noch mal jenseits der Probleme gefragt.

00:12:59: Du hast dich intensiv mit dieser Frage beschäftigt, was sind denn so Dinge die vielleicht auch klassische zwei Elternpaare lernen können von dieser Elternschaft zu dritt oder mehrfach Elternschaft?

00:13:12: Also ich habe ja selbst kein Kind aber ich finde viele Dingelklingen schon ziemlich fantastisch also das Mut zum Beispiel schon relativ kurz nach der Geburt wieder auf den Konzert gehen konnte und überhaupt keine Sorgen sich machen musste im Juli, weil Mo wusste, die anderen kümmern sich super um das Baby.

00:13:32: Also sehr viel Autonomie für die Person, die das Kind geboren hat.

00:13:36: Dann finde ich auch so dieses Schichtsystem.

00:13:38: Klingt eigentlich auch ziemlich gut also irgendwie dass ganz klar ist wer die Verantwortung trägt und damit vielleicht auch Sorgearbeit gerechter aufgeteilt werden kann?

00:13:48: Ich würde sagen, das kann man sich auf jeden Fall auch für eine Hitro Elternschaft oder Zweierelternschaft abschauen.

00:13:55: Das klingt sehr verlockend,

00:13:56: oder?

00:14:01: Danke liebe Franzi dass du von dieser Geschichte erzählt hast.

00:14:05: aber und die treuen Hörerinnen von Reingehen wissen das jetzt schon das Gesellschaftsteam der Wochentats hat dann noch etwas vorbereitet.

00:14:16: In diesem Umschlag hier findest du es das Ding der Woche und ich bitte dich jetzt das einmal auszupacken.

00:14:24: Okay, ich bin gespannt.

00:14:25: So

00:14:26: dass es aufreißt.

00:14:31: Was ist das?

00:14:32: Lass mal hören!

00:14:34: Okay ein Glanzsilber Spray.

00:14:39: Ich habe überhaupt keine Ahnung was es damit aus sich hat.

00:14:41: Es geht gar nicht so sehr um das Wasser drin ist sondern um das Ding selbst.

00:14:46: Okay eine Sprühflasche

00:14:47: Eine Sprühdose und kannst du dir vorstellen was das soll?

00:14:52: Das ist ne tolle Sache.

00:14:54: Hat sie...ich weiß nicht weh.

00:14:56: Vor genau hundert Jahren hat der norwegische Ingenieur Erik Rothheim die erste sogenannte Büchse zum Selbersprühen gebaut.

00:15:06: Die war zum Nachfühlen damals und schon ein paar Monate später hat er das Patent dafür angemeldet, also die Sprühtose ist jetzt genau hunderte Jahre alt.

00:15:15: Alles klar!

00:15:16: Herzlichen Glückwunsch!

00:15:19: Im zweiten Weckling waren die Sprütosen militärisch tatsächlich eher im Einsatz.

00:15:24: Aber wir wissen ja auch, sie dient zur Verschönerung des öffentlichen Raums und ich

00:15:31: habe mich gefragt

00:15:32: ob du auch schon mal was gesprüht hast?

00:15:34: Wir sind ja ganz unter uns.

00:15:36: Ja

00:15:38: doch durchaus!

00:15:43: Eine schöne Woche dir Francine und auf bald mal wieder.

00:15:47: Ganz herzlichen Dank.

00:15:51: Ich freue mich sehr dass Marina Klimtschuk jetzt hier ist.

00:15:54: Hallo Marina

00:15:55: Hallo Stefan, ich freue mich auch.

00:15:57: Danke für die Einladung!

00:15:58: Marina du bist geboren im Westen der Ukraine und du warst fünf als ihr also deine Familie in Deutschland in Augsburg angekommen seid.

00:16:07: richtig?

00:16:08: Ja

00:16:08: In den neunziger Jahren Und deiner Geschichte entnehme ich dass ihr als sogenannte Kontingentflüchtlinge gekommen seid Für die dir jetzt das gar nichts sagt.

00:16:18: kannst du das einmal kurz erklären was dieses Wort bedeutet?

00:16:21: Ja na ähm ja wir sind im Rahmen Das Fugrams gekommen, das eigentlich zynischerweise.

00:16:29: Wir waren die Wiedergutmachungs-Juden sozusagen.

00:16:32: also es hat in den neunziger Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es eine riesige wirtschaftliche Krise in den Ländern der ehemaligen Sowjet Union und das hat natürlich auch mich und meine Familie direkt betroffen Und Juden sind mitunter als Erste ausgewandert In die USA.

00:16:52: Die Erlermeisten nach Israel und wir sind nach Deutschland ausgewandert.

00:16:56: Und das war möglich, weil die Bundesregierung das möglich gemacht hat in Rahmen eines Wiedergurschmachungsprogramms gesagt

00:17:04: haben.

00:17:04: Wir

00:17:04: hatten den Holocaust und jetzt wäre aber jüdische Menschen aus ehemaligen Sowjet-Ländern auf.

00:17:11: Für die jüdischen Gemeinden in Deutschland war es eine große Sache.

00:17:15: Die sind von dreißigtausend Gemeinnemitgliedern auf über hunderttausends heute angewachsen.

00:17:22: Ja und das vor allem ist das ungefähr nur die Hälfte der Menschen, also ich glaube die offizielle Zahl ist um die hunderttausend.

00:17:31: Und inoffiziell sind es aber nicht verdoppelt so viele jüdische Menschen, die in Deutschland leben, die da nicht gemeindemitglied sind.

00:17:39: Es sind ja nicht alle Gemeindemittglied beziehungsweise auch noch viele, die nicht-gemeinde Mitglieder sein können weil sie nur peteilicherseits jüdisch sind und sich trotzdem als Juden identifizieren.

00:17:50: Auch du bist in einer Gemeinde gelandet.

00:17:53: Welche Rolle hat die jüdische Gemeinde für dich gespielt?

00:17:56: Als Kind, als Jugendliche?

00:17:58: Als kind kann ich das nicht mehr ganz genau rekonstruieren.

00:18:02: Ich weiß eine Theater dort, eine Pinocchio-Aufführung geprobt – ganz viele Monate!

00:18:10: Ich habe einen Chor gesungen und wir sind zu den Feiertagen gegangen... Ja, das war ... irgendwie ganz zentral, also in Augsburg.

00:18:19: Ich hatte auch meine Batwitz war da, als ich zwölf wurde.

00:18:24: Es ist schon ganz zентral diese gemeinte Leben.

00:18:28: für mich wurde es eigentlich noch zentraler, als wir nach München gezogen sind.

00:18:36: Da war ich viel mehr eingegliedert im Jugendzentrum und Und einfach diese jüdische Identität habe ich viel mehr internalisiert später erst als nicht in den Neunziger oder früher im Zweitausender Jahr.

00:18:49: Als Jugendlicher bist du auch auf Machaneh gegangen?

00:18:53: Kannst Du einmal erklären, was das ist?

00:18:55: Machaneha heißt eigentlich Lager und das ist Ferienlager.

00:18:58: es gibt schon immer Machanauts Ich weiß es nicht, also ich glaube man hat das auch schon.

00:19:03: in den dreißiger Jahren sind die Kinder auch schon im Ferienlager gefallen.

00:19:07: Es gibt ganz unterschiedliche Jugendbewegungen.

00:19:11: von damals war es von links zionistisch Schomerazair bis rechts rechts nationalistisch.

00:19:20: Nerkiva ist zum Beispiel Jugendbewege und man fährt zusammen in Ferien lager und macht tolle Aktivitäten lernt ihr Freunde kennen Und bei uns war es eben einfach Jugendzentrum.

00:19:33: Ich würde sagen, neunzig Prozent der Menschen in der Leute im Jugendzentren waren Russischsprachig wie ich und das war mega cool!

00:19:42: Wirklich, das war das beste ever!

00:19:45: Wir haben ganz viel gesungen und Synagogen angeschaut.

00:19:48: Mein erstes Machernee war in Prag und wir haben Shabbat zusammen gefeiert und die Gebete gelernt.

00:19:55: Es war so eine ganz neue Welt, die sich mir eröffnet hat und ich wollte unbedingt Teil dieser Welt sein.

00:20:02: Ich habe auch meinen ersten Freund als Teenager auf Macherné kennengelernt und auf den zweiten Macherné hab' ich ihn dann nochmal gesehen – das war alles total romantisch und aufregend!

00:20:12: Und so geht's ganz vielen Kids-und Jugendlichen wie mir damals, auch heute noch.

00:20:18: Wenn ich deine Geschichte richtig verstanden habe, dann habt ihr die Machernee auch Israel nahe gebracht.

00:20:25: Sehnsuchtsort mit Sonne, Meer und sexy Soldaten schreibst du?

00:20:29: Ja auf jeden Fall.

00:20:30: Also ich war davor schon mal in Israel gewesen.

00:20:33: Mein Opa lebte in Israel aber es war ein ganz anderes Israel das wir da.

00:20:38: also als ich mit achtzehn nach Israel auf Machanev vor.

00:20:42: Das war so geil wirklich!

00:20:45: Ich dachte Das war der beste Trip meines Lebens gewesen.

00:20:49: Natürlich auch nie alleine weg von zu Hause und dann überall diese schönen Menschen, Palmen und Natur und aufregendes Essen... Und irgendwie auch ein ganz anderes Männlichkeitsbild mit diesen Soldaten.

00:21:02: Wir hatten das ja positiv konnotiert!

00:21:05: Das war was total emotionales.

00:21:07: Das waren Menschen die haben uns beschützt.

00:21:10: Ich habe neulich auch so ... eine Art Berichte gelesen, die ich damals geschrieben hatte.

00:21:16: Die beschützen uns und unser Land!

00:21:18: Also dann wirklich ne ... Zwarhundertprozentige Identifikation mit dem Land und den Soldaten.

00:21:26: Und mit diesem Narrat-

00:21:28: Du hast auch selbst Militärübungen mitgemacht?

00:21:30: Schreibst du Ja

00:21:32: In der Nähegewüste, ich wusste nicht wie verbreitet das damals ist.

00:21:38: Ich kann ganz viele Freundinnen von mir die auch aus Frankreich und den USA schweiz sind, die dann in dieses Weherziehungs... Lager geschickt werden.

00:21:47: Manche drei Wochen bei uns war es nur ein Tag, wir mussten wirklich auf dem Boden rocken und jeder musste sich so eine Uniform aussuchen.

00:21:54: ich weiß noch ganz genau meine hatte kurze Ärmel.

00:21:57: Ich habe so bereut vielleicht dachte das ist gut luftig Und dann musste ich aber auf den ellenbogen da kriechen und alles laufgeschürft.

00:22:05: Ich hab's verflucht aber trotzdem haben mich geliebt.

00:22:08: Ein paar Jahre später mit einem Studium glaube ich bist du danach israel gezogen?

00:22:12: Und hast acht jahre dort gelebt.

00:22:15: ja Ich bin konsequent.

00:22:16: Also ich fand es so gut, dass ich dachte ja da muss ich hinziehen, da gehöre ich hin und da will ich leben wirklich!

00:22:23: Und im Studium hatte ich aber schon vieles durchschaut.

00:22:26: Trotzdem wollte ich nach Israel ziehen.

00:22:28: das war für mich damals kein Widerspruch, ich hatte ganz viele Sätze.

00:22:31: Ich war total kritisch, ich war damals auch schon eher links und bin auch angeeckt mit meinen Meinungen und Fragen in der Gemeinde bzw.

00:22:40: ich habe schon gemerkt, dass es nicht so gut ankommt.

00:22:43: meine Einstellungen Das war mir egal, ich wollte nach Israel ziehen.

00:22:48: In deinem Text für die Wochenteils schreibst du, dass du dich heute schämst für deinen israelischen Pass den du schließlich bekommen hast?

00:22:55: Ich finde es ist ein ganz schön krasser Satz und ich frag mich wie kam das?

00:23:00: Ja auch dieser Pass war im Endeffekt eine pragmatische Entscheidung meinerseits weil es sehr sehr schwer ist in Israel zu leben ohne eine Identifikation also oder eine Identifikationsnummer, der

00:23:14: z.B.,

00:23:15: das muss es überall angeben wenn du irgendwo einen Job hast Wenn du selbst für ein Handyvertrag brauchst Du eine Identifikationsnommung und ohne die ist es schwer Fuß zu fassen, dir ein Leben aufzubauen vor allem wenn du die Sprache noch nicht sucht kannst wie ich damals Die sprache noch nichts so gut konnte.

00:23:33: Ich habe den Pass aber erstmal nicht angenommen, bin noch zum Studium nach Israel gegangen Bin erst später.

00:23:38: Ich habe ein Jahr woanders gelebt und dann nicht zurückgegangen.

00:23:42: Dann ging es nicht mehr, ohne den Pass anzunehmen für mich.

00:23:46: Und dann hab ich Aliyah gemacht.

00:23:47: Aliyyah ist ein Wort auf Fibrillisch das heißt nach oben gehen also aufsteigen.

00:23:52: Das ist dieses also ideologisch konnotierte...ich bin nach Israel aufgestiegen.

00:23:59: Es kommt aus dem zionistischen Sprach gebraucht und lich.

00:24:04: Es hat auch ziemlich lange alles gedauert bei mir, das war gar nicht so einfach.

00:24:07: Zum Beispiel die amerikanischen Juden, die kommen mit einem Brief von ihren Rabbiner nach Israel und kriegen sofort den Pass.

00:24:15: Bei mir hat es ziemlich lange gedaubert weil ich eben aus der ehemaligen Sowjetunion komme und da sehr viel an Dokumentengefälschtur denn in den neunziger Jahren.

00:24:24: Und dann hatte ich aber irgendwann den Pass und ich weiß nur, ich hab's so geholt vor Glück als ich ihn bekommen habe Vieles, egal wie kritisch ich damals schon war.

00:24:34: Vieles wusste ich trotzdem nicht oder beziehungsweise hatte mich thematisch nicht.

00:24:39: Nicht da reingefuchst, was das überhaupt bedeutet.

00:24:42: Dass Israel eben eine Heimat für alle jüdischen Menschen sein soll.

00:24:46: Das heißt egal wo du herkommst wenn du diesen Nachweis erbringen kannst dass du jüdisch bist darfst du noch israel einwandern und kriegst dann mal so'n Geschenkpaket finanziell von ich glaube viertausend Euro waren das ungefähr mit ihr nicht an große Reise gemacht habe.

00:25:00: aber wenn du kalestinensisch bist, darfst Du oft gar nicht zurückkehren geschweige denn in die Dörfer, aus denen deine Verwandten, und dieses Recht auf Rückkehr ist vielleicht der wundeste Punkt.

00:25:16: Wenn du mit Palästinensern in der Dersebühre aber auch in Palestina sprich, dieser Wunsch nach der Rückkehr ins Dorf von dem Großvater wo man seine Olivenheine hatte Und das ist was ganz Schmerzhaftes für palästinenzische Menschen zu wissen dass Juden wie ich, die noch nie irgendwas mit Israel am Hut hatten einfach einen wandern dürfen und auch die Sprache nicht können müssen.

00:25:39: Und dass sie, die ursprünglich von dort kommen, deren Familien Jahrhunderte dort gelebt haben und vertrieben wurden bzw.

00:25:47: geflüchtet sind eben nicht zurückkommen dürfen und teilweise nicht mal auf Besuch zurückkommen dürften je nachdem wo Sie heute leben.

00:25:55: Das hatte ich alles damals nicht durchdacht bis zu Ende all diese politischen Schwierigkeiten Und ich weiß nicht, wie ich mich entschieden hätte, wenn ich das jetzt alles damals alles gewusst hätte.

00:26:08: Heute denke ich, dass es halt keine gute Sachen israelischen Pass zu haben ist irgendwie... Da ist ein Land, das angeklagt einen Völkermord zu begehen.

00:26:20: Ich stehe da ganz klar auf der Täterseite weil wir müssen von einer kollektiven Schuld sprechen genauso wie man in Russland Der Wusensprechen muss, das kann man nicht ausradieren.

00:26:31: Das wird Generation dauern und ich weiß nicht ob es überhaupt eine Aufarbeitung geben wird?

00:26:38: Wir wünschen es natürlich dass Kinder Enkel fragen werden warum habt ihr so gehandelt?

00:26:43: aber wir wissen's nicht.

00:26:45: Es gibt halt auch nicht immer ne Aufarbeitungen.

00:26:47: Mit dieser sehr kritischen besatzungskritischen Position fühlst du dich politisch heimatlos.

00:26:54: schreibst Du Was genau meinst Du damit?

00:26:57: Erstmal ist es Wahnsinnig ermüdend.

00:27:00: Also ich habe lang genug dort gelebt und wirklich, also nach dem Studium habe ich irgendwann angefangen Bildungsreisen zu leiten.

00:27:09: Ich hab davor mit afrikanischen Geflüchteten aus Eritrea und Sudan gearbeitet in Tel Aviv.

00:27:14: aber diese Bildungs-Reisen waren eben das was mir eine total neue Welt eröffnet hat.

00:27:19: Da kann man schon sagen, dass ich auch aktivistisch unterwegs war.

00:27:22: Also in irgendwelchen palästinensischen Dörfern zur Olivenernte.

00:27:26: oder.

00:27:27: es ist ja oft so, dass die von den Siedlern angegriffen werden und dann linke Israelis oder internationale Aktivisten kommen um eine Prinsenz zu zeigen weil das manchmal die Angriffe vermindert?

00:27:39: Oder wel... weil die halt, die Siedler dann ein bisschen vorsichtiger sind oder früher es zumindest waren.

00:27:45: Jetzt ist es vollkommen anarchistisch was passiert im West-Jordanland.

00:27:48: aber ich hatte palästinische Kollegen also das war... Ich habe total in dieser Welt gelebt!

00:27:53: Ich hab twenty four seven im Endeffekt an die Besatzung gedacht Und mit meinen Freundinnen ständig darüber geredet, du das ist eine Welt.

00:28:01: Du teilst da ein?

00:28:02: Du hast keinen Bezug mehr zur internationalen Politik zu anderen Konfliktgebieten.

00:28:08: Ich habe nur Haaretz gelesen wirklich.

00:28:10: Das ist ne eher linke Zeitung in Israel?

00:28:13: Ja

00:28:13: genau, linksliberale Zeitungen in Israel.

00:28:16: Irgendwann steckst du so sehr in diesem Kosmos drin.

00:28:20: Warum erkläre ich das alles?

00:28:21: und dann hab' ich aber irgendwann beschlossen also nach Corona während... Corona angefangen hatte nach dem ersten Lockdown.

00:28:27: Ich wollte schon länger weg und mein Job konnte ich sowieso nicht mehr so machen wie davor, die Bildungsreisen mit den Lockdowns.

00:28:34: Da bin ich zurück nach Europa gekommen und da dich in den Diskurs zu begeben mit Menschen, die wirklich gar keine Ahnung haben, die total platte uninformierte Diskussionen führen wollen, die teilweise nicht mal vor Ort waren... Also die Völton-Debatten und überhaupt eine Ostkonfliktdebatte in Deutschland, wie sie in deutschen Zeitungen ausgetragen werden.

00:29:00: Er hatte alles als Experte in Talkshows angeladen wurde.

00:29:04: Es wurden ja dann alle nach dem siebten Oktober, zwanzig, tzehnundzwanzig waren ja alle Übernachtexperten.

00:29:09: Das wurden wirklich so ein Quatsch in Texte geschrieben von Leuten, die es einfach nicht besser wissen.

00:29:15: Und sich da... auf diese Diskursebene zu bewegen ist total ermüdend.

00:29:20: Natürlich will man eher mit Leuten diskutieren, da es eine ganz andere Tiefe hat, die genau wissen was es geht eigentlich.

00:29:28: und wenn ich erst mal erklären muss was Besatzung ist und dass sich den Begriff überhaupt diskutieren muss.

00:29:35: Du hast ja auch nach dem siebten Oktober nach dem Massaker der Hamas von vor Ort weiter berichtet als Journalistin dann kannst du Skizzieren, was du dir jetzt.

00:29:46: Wir haben einen Waffenstillstand aber es sterben trotzdem noch Menschen.

00:29:51: Kannst du skizzieren?

00:29:52: Was jetzt vor Ort passieren müsste damit sich die Situation grundsätzlich verändert?

00:29:58: Bei Bildungsreisen haben die Leute am Ende immer nach Hoffnung gefragt was uns Hoffnung gibt und wir waren da ganz verloren weil man hat nicht so viel Hoffnung.

00:30:07: Also ich habe nicht so viele Hoffnungen, was passieren müsste im Endeffekt wäre wenn wir von einem gerechten Frieden sprechen, nicht nur von einem Frieden wo man nichts mehr in den Nachrichten hört sondern vom gerechten frieden müsste es eigentlich also zwei Staatenlösung ist tot.

00:30:22: dazu fehlt die territoriale Kontinuierlichkeit.

00:30:26: also durch den Siedlungsbau den Anhaltenden ist das mittlerweile unmöglich geworden.

00:30:33: Es gibt unterschiedliche Modelle Zum Beispiel für der Rationsmodell, dass man zum Beispiel jeder könnte da bleiben.

00:30:41: Also sowohl die Siedler als auch die Palästinendeinnen wo sie schon sind und dann würde man auf wirtschaftlicher Ebene zusammenarbeiten zum Beispiel und Dinge wie Wasser zusammenscheiden so was dazu fehlt natürlich die politische Führung.

00:30:55: also das ist ganz abstrakt gesprochen in die politischen Führungen auf beiden Seiten.

00:31:00: Und in Israel haben wir natürlich eine extremistische Regierung, die immer weiter ... Die hat überhaupt keine Checks and Balances.

00:31:09: Es wird weder von Europa noch von amerikanischer Seite irgendwas durchgesetzt an Sanktionen.

00:31:15: Das heißt, die Israelis machen was sie wollen mit Tanjao und seinem rechtsextremistischen Koalitionspartnern.

00:31:24: Wenn man ganz andere Führungs- Kräfte auf Regierungsebene hätte, dann könnte sich was bewegen.

00:31:32: Zum Beispiel der Wiederaufbau von Gaza.

00:31:34: aber natürlich ist jetzt jede Familie in Gaza traumatisiert.

00:31:38: Wen werden die wählen?

00:31:40: Also das ist ja vollkommen klar, dass jede Familie jemanden verloren hat und auch Rache wollen oder viele von ihnen.

00:31:48: Und welche politische Währung die jetzt wählen würden?

00:31:52: Gebe es denn wahlen ist natürlich auch schwierig!

00:31:56: Aber auch auf israelischer Seite.

00:31:57: Es ist eine vollkommene Entmenschlichung gegenseitig.

00:32:02: Keine Hoffnung also?

00:32:03: Ich habe gerade keine, aber natürlich weiß ich auch dass sich immer was wenden kann und das Friedensprozesse ganz oft unerwartet.

00:32:12: Also glaube man muss warten.

00:32:14: In unmittelbarer Nähe hab' ich keine Hoffnungen.

00:32:17: Vielleicht wird es einfach nicht zu meiner Lebenszeit passieren, dass sich etwas verändert Und nicht in den nächsten zwei Generationen.

00:32:23: Es wird sich trotzdem irgendwann was verändern.

00:32:26: Man kann nicht immer so weiter leben.

00:32:29: Wir wussten auch vor dem siebten Oktober, dass sich was verändern wird und die AktivistInnen haben versucht irgendwie die Weltgemeinschaft zu warnen weil vor Ort hat man ja gesehen das es irgendwie implodieren wird, dass etwas ganz ganz Schlimmes passieren will.

00:32:44: aber das hat damals niemand interessiert was AktivistsInnen denken.

00:32:48: All that to say ist man darf nicht ohne Hoffnung leben.

00:32:51: Hoffnung ist halt was was man macht.

00:32:52: also man muss trotzdem immer weitermachen.

00:32:55: Das sind halt die mutigsten Leute, die dort vor Ort Friedensarbeit machen, Dialogarbeit, Antibesatzungsaktivitäten.

00:33:02: Das sind die allerwichtigsten und mutigste Leute, Die nicht nach Europa gegangen sind sondern einfach weitermachen immer weitermachend dokumentieren Zivilen ungehorsam betreiben.

00:33:11: das ist die Hoffnung jeder einzelne von diesen Menschen Und

00:33:14: du erzählst uns von ihnen und hoffentlich auch in Zukunft?

00:33:18: Ich danke dir vielmals Marina.

00:33:20: Vielen Dank dir Stefan!

00:33:28: Wenn es euch gefallen hat, lasst gerne ein Like da und teilt den Podcast mit euren Freunden, eure Familie oder wem auch immer ihr gutes wünscht.

00:33:36: Die Tat hat keine Paywall!

00:33:37: Wenn ihr unsere Arbeit unterstützen wollt könnt ihr das tun auf tattszahlig.

00:33:41: Den Link packe ich in die Show Notes sowie auch die Texte zu dieser Folge.

00:33:45: Wenn ihr Lob, Kritik oder Wünsche habt schreibt uns gerne an reingehen at tats.de.

00:33:50: Ein großes Dank an Daniel Fromm für den Schnitt, Eva Lotte-Anderea für die Produktion.

00:33:55: Danke an Nikolaj Kühling für die Musik, Ansima Ibrahimi und Lisa Schwedeck für das Cover.

00:34:00: Bye bye bis zum

00:34:01: nächsten

00:34:23: Mal!

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