Wie gefährlich ist das Hantavirus?

Shownotes

Auf dem Kreuzfahrtschiff Hondia ist das Hantavirus ausgebrochen. Wieder müssen Menschen in Quarantäne, wieder gibt es Tote. Gesundheitsredakteurin Manuela Heim ordnet das Geschehen im Gespräch mit Sophie Fichtner ein und erklärt, warum Hanta nicht Corona ist.

Pauline Jäckels, Redakteurin im Meinungsressort der taz, hat am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg einen Polizeieinsatz beobachtet und wurde dabei von den Polizist:innen mit einem Stroboskoplicht geblendet. Versucht die Polizei so systematisch Videoaufnahmen von gewaltvollen Festnahmen zu verhindern?

📖 Zu den Texten aus der wochentaz vom 16.05.2026

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🎧 Credits Schnitt: Daniel Fromm Produktion: Eva-Lotte Andereya Musik: Nicolai Kühling Cover: Lisa Schwedek Foto: Sima Ebrahimi

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00:00:02: Hi, das ist Reingehen.

00:00:03: Der Podcast der Wochentats mit mir Sophie Fichtner.

00:00:08: Hier besprechen wir jede Woche zwei Geschichten aus unserer aktuellen Ausgabe mit den AutorInnen zusammen.

00:00:14: In dieser Folge geht es um das Hunter-Virus, dass auf einem Kreuzfahrtsschiff ausgebrochen ist, wodurch bei vielen Menschen jetzt schlimme Erinnerungen an die Corona-Pandemie geweckt werden.

00:00:25: Im zweiten Teil sprechen wir über einen Polizeieinsatz am ersten Mai bei dem PolizistInnen, die Arbeit meiner KollegInnen behindert haben.

00:00:34: Und es geht um die Frage inwiefern die Pressefreiheit verletzt wurde?

00:00:43: Zuerst spreche ich mit Manuela Heim.

00:00:46: Sie ist Tradakteurin für Gesundheit und deshalb gerade sehr beschäftigt.

00:00:50: Hallo, Manu!

00:00:50: Ich freue mich, dass du wieder hier wirst.

00:00:53: Hallo Huffi!

00:00:54: Denn es gibt wieder ein Virus durch die Medien das Hunter-Virus auf der Hondius ausgebrochen.

00:01:00: Das ist ein Kreuzfahrtschiff dass von Argentinien zu den Cup werden gefahren ist und dabei Stops auf mehreren Inseln im Südatlantik gemacht hat.

00:01:09: Zuerst einmal die Frage, wie begann denn dieser Ausbruch?

00:01:11: Lässt sich das rekonstruieren?

00:01:14: Also inzwischen weiß man da einiges drüber.

00:01:17: Wo soll ich denn anfangen?

00:01:19: Wann hat man zum ersten Mal erfahren, dass es kursiert?

00:01:22: Ich glaube, das war am zweiten Mai.

00:01:25: Da gab's die erste Meldung der WHO also der Weltgesundheitsorganisation oder einen mutmaßlichen, damals war es noch nicht bestätigt, Handtavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff gibt.

00:01:39: Dem vorausgegangenen war quasi eine Meldung von Großbritannien an die WHO weil dieses Kreuzahrtsschiff damals nämlich im Überseegebiet rund um Sant Helena also eine Insel in Südatlantik lag.

00:01:54: und wenn wir jetzt noch ein bisschen zurückgehen und erzählen wie das eigentlich da los gegangen ist, also musst du dir vorstellen Diese Hornjus ist ein ganz besonderes Kreuzfahrtschiff, nicht einfach noch ein Kreuz-Fahrtschiff.

00:02:04: Warum?

00:02:04: Das ist so eine Luxuskreuze und zwar der erste der Polarklasse VI.

00:02:09: D.h.,

00:02:09: so einen Eisbrecher, der auch ins ewige Eis fahren kann.

00:02:14: Also auch Antarktesregion oder Arktisregion.

00:02:17: Und das ist quasi so ne Kreuzpfad für Menschen... oder versprochen wurde dem Passagieren quasi der Zugang zu fast unberührter Natur auf abgelegenen Inseln und Gebieten der Erde.

00:02:31: Und diese Reise ging am ersten April los, ganz im Süden von Argentinien und da legte das Schiff ab.

00:02:38: an Bord waren rund... Ganz genau weiß man es lustigerweise nicht also irgendwas wie hundertseizig Passagiere oder so inklusive Crew.

00:02:49: und dann sind die da losgefahren.

00:02:52: Und am ... sechsten April, also ziemlich paar Tage nachdem die losgefahren sind begann ein Prasagiersymptome einer, wie eine Krippe zu entwickeln.

00:03:02: Ein Niederländer?

00:03:03: Also musst du dir vorstellen das ist ein Prassagierer aus aller Welt auf diesem Schiff gewesen.

00:03:07: Aus dreiundzwanzig Nationen und die haben sich so was an verschlechtert.

00:03:10: die Symptome dass er fünf Tage später gestorben war.

00:03:13: Oh wow!

00:03:15: Die sind dann noch ne Weile weiter gefahren bis zur Insel Sant Helena, die eben im britischen Geübersiegebiet liegt Und dort ist dann diese Leiche von Bord geschafft worden.

00:03:24: Da gab es auch Menschen weitere Passagiere mit Symptomen.

00:03:29: Aber man wusste noch nicht, was man zu tun hat?

00:03:31: Man

00:03:31: wusste nichts!

00:03:32: Inzwischen wissen wir auch, dass auf dieser Insel mehrere Dutzend Passagierer von Bort gegangen sind und die Reise beendet haben und sich wieder in alle Welt verteilt haben.

00:03:42: Aber zu dem Zeitpunkt war noch völlig unklar, woran ist der Passagiert gestorben.

00:03:48: die weiteren Fälle, die es da schon gab.

00:03:50: Also zwei Fälle.

00:03:51: wahrscheinlich hängen sie damit zusammen und so hat sich das Infektionsgeschehen dann weiterentwickelt.

00:03:57: Woher jetzt mal grundsätzlich zu diesem Virus?

00:03:59: Woher kommt das?

00:04:01: was ist das für ein Virus?

00:04:03: Wieso ist es so tödlich?

00:04:05: Also erstmal muss man sagen des Hunter-Virus gibt's fast überall auf der Welt eigentlich nage Tiervirus was vor allem bei Mäusen und Ratten vorkommt fast überall auf der Welt eben, wo diese Mäuschen und Tratten die das haben können.

00:04:18: Auch Fälle von Übertragungen auf den Menschen aber eigentlich keine Übertragung von Mensch zu Mensch.

00:04:24: Und das ist das Besondere auch an diesem Fall.

00:04:27: Es handelt sich hier um eine spezielle Variante des Hunter-Virus, die in Südamerika vorkommt und von der auch schon Fälle vom Mensch zum Menschenübertragung dokumentiert waren.

00:04:37: In diesem Fall war halt auch relativ ... Früher der Verdacht im Raum, dass es sich auch hier um eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung handeln könnte.

00:04:45: Viele haben jetzt die Befürchtung, dass die nächste Pandemie ausbricht?

00:04:49: Ist das denn begründet oder ist das eigentlich nicht wahrscheinlich?

00:04:54: Also folgen wir erstmal der Weltgesundheitsorganisationen, die hier mit dem Fall betraut ist und die sagt... Die Gefahr ist sehr gering für die Weltbevölkerung.

00:05:04: Das liegt an der besonderen Beschaffenheit des Virus, das anders als zum Beispiel das Coronavirus deutlich schlechter übertragbar ist sozusagen.

00:05:11: Also für das Coronavirus reichte ja ein relativ kurzer Kontakt auch über weitere... also muss es jetzt nicht durchküssen oder so.

00:05:19: trotzdem konntest du dich anstecken und man muss aber ehrlicherweise sagen dass man so viel über diese Andes-Variante heißt hier, also diese besondere Variante des Handervirus umdies geht.

00:05:30: So viel weiß man darüber noch nicht.

00:05:32: Also in Argentinien, wo auch dieses Schiff gestartet ist kommt es schon regelmäßig vor und dieser erste Fall der aufgetreten ist das ist ein Passagier gewesen der vorher auch durch Argentinian gereist ist.

00:05:42: daher die Vermutung er hat sich dort vermutlich angesteckt vielleicht bei einem Nagetier und ist dann von ihm ausgehend.

00:05:51: es hat eine Mensch-zu-Mensch Übertragungsstadt gefunden.

00:05:54: Es ist jetzt damit zu rechnen, dass es noch Vollgefälle gibt.

00:05:57: Aber aufgrund der vermuteten schlechten Übertragbarkeit muss man alles mit Vorsicht zu genießen und davon ausgehen, dass das keine Pandemieentwicklung geben wird sondern eine begrenzte Zahl von Vollgefällen gibt.

00:06:11: aber sagen schon auch alle, es ist gut, das jetzt gut zu überwachen und in internationaler Zusammenarbeit auch zu übermachen was wir eigentlich nach der Corona-Pandemie können sollten.

00:06:22: Ja da gab's ja auch treffen, wo sich überlegt wurde.

00:06:25: Was machen wir in so einer Situation wenn das wieder passiert?

00:06:27: Und gerade scheint es ja alles sehr strukturiert abzulaufen.

00:06:31: Das Schiff liegt mittlerweile in Tenerife einem Hafen und die Menschen werden da von Bord geholt.

00:06:36: du schüttest jetzt so ein bisschen ... Na so viel Parkquerelen

00:06:39: gab's da schon drum.

00:06:40: Also am Anfang war nicht klar, wo soll dieses Schiff jetzt hin?

00:06:45: Das lag wie Du schon gesagt hast am Ende als bekannt wurde dass es sich tatsächlich um Handtavirus ausbruch handelt Lackt es vorkapp werden und das ist eine kleine afrikanische Insel, die sich nicht im Stande sah irgendwie jetzt Passagiere unter Virusverdacht aufzunehmen.

00:07:01: Dann wurde vorhandelt wer nimmt das Schiff jetzt auf?

00:07:04: dann wurde entschieden ah die Kananen sagt die Kanane eigentlich nicht.

00:07:08: Warum wird das jetzt einfach entschieden?

00:07:09: Spanien sagt doch doch also Es ist jetzt nicht so dass das alles total reibungslos verlief oder auch es wurde erst im Nachhinein bekannt Ah es waren ja schon einige Passagierungen nach dem ersten Fall, aber vorbekannt werden des Hunter-Virus Verdacht von Bord gegangen und sind schon in ihre Heimatländer zurückgeflogen.

00:07:28: Zum Beispiel ein Schweizer bei der dann später auch das Hunter Virus diagnostiziert wurde.

00:07:34: Insofern ist es jetzt nicht so dass alles wie im Bilderbuch abläuft.

00:07:38: Aber ich würde sagen man sieht schon eine gewisse vorbereitete Zeit vielleicht auch durch die Coronazeit.

00:07:44: also sowohl in Argentinien läuft jetzt ne Überwachung weitere Fälle im Land in Südafrika wo mehrere der Passagiere hingeflogen wurden und auch eine dort verstorben ist, gibt es eine Überwachung von Kontaktfällen usw.

00:08:00: Also es steht so hoffen das es eine Eindämmung da dieser Fälle die jetzt noch zu erwarten sind gibt.

00:08:08: Was wahrscheinlich auch vielen Menschen Angst macht ist die lange Inkubationszeit dieses Virus.

00:08:13: acht Wochen sind das oder?

00:08:15: Vielleicht nochmal zu dem Thema Angst.

00:08:16: also mal runter mal dazu sagen als erstens wie gesagt gefährlichere Handtavirus-Varianten wie diese Argentinische und ungefährlichere, wie die, die zum Beispiel in Deutschland auftauchen.

00:08:27: Und normalerweise steckt man sich eben durch Staub der mit Mäusekot versetzt ist an und der aufgewirbelt wird

00:08:34: usw.,

00:08:35: also es ist jetzt nicht wahrscheinlich dass wir uns alle irgendwie am Andervirus anstecken.

00:08:39: Mit der Inkubationszeit... Es wird vermutet das es auch mehrere Wochen Inkubation Zeit haben kann.

00:08:45: Auch da noch ein Fragezeichen.

00:08:47: ich habe ja schon gesagt so richtig erforscht Noch nicht.

00:08:51: Es gibt eine wissenschaftliche Aufarbeitung eines Ausbruchs.

00:08:54: von den Wissen wir fast alles, was wir über das andere Virus wissen.

00:08:59: Aber ja, es steht zu vermuten, dass man auch nach fünf Wochen oder noch mehr Symptome entwickeln kann.

00:09:06: Vor der Corona-Pandemie hätten wir wahrscheinlich trotzdem nicht so verschreckt reagiert auf einen Virausausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff?

00:09:15: Der spielt schon sehr viel mit rein!

00:09:17: Was wir jetzt für Erfahrung haben...

00:09:20: Das Kreuzfahrtschiff, als solches ist es ja auch so ein Phänomen.

00:09:24: Und Virusausbrücher auf Schiffen... Also erstens gibt's das immer mal wieder.

00:09:29: Also Norovirus auf dem Kreuz Fahrtschiff und so weiter.

00:09:32: Auch während Corona gab's diese Kreuz-Fahrtschiffszenerie.

00:09:35: Es ist also ein besonderes Biotop für Viren quasi.

00:09:40: Ich kann das nicht genau sagen, weil ich finde dieser Fall hat unterschiedliche Dimensionen.

00:09:44: Einmal findet es eben in dem Postcorona-Zeitalter statt wo wir alle deutlich sensibilisierter sind, was Viren betrifft.

00:09:52: Und zum anderen ist es aber auch einfach ein kraser Fall.

00:09:55: Es ist ja fast wie so'n Drehbuch ne?

00:09:58: So eine irre Geschichte mit diesem Kreuzfahrtsschiff das um die Welt mit Passagieren aus aller Welt und dann wird erst eine Person krank und stirbt und dann stecken sich noch andere an.

00:10:09: Neben der individuellen Dramatik, die da drinsteckt hat das auch ne Dramatique, die sich auch medial krass... Ja vom Markten lässt, muss man ja

00:10:18: sagen.

00:10:18: Ja es lässt sich irgendwie sehr gut erzählen.

00:10:20: Jetzt gab's auch diese Aktion von dem einen Passagier der auf einer sehr kleinen Insel auch wohnt, auch im Südatlantik dort ausgestiegen ist jetzt Hilfe benötigt medizinisch versorgt werden muss und jetzt haben eben... Die britische Armee dort falsche Jäger hingeschickt, oder die heißen nicht falsche jäger.

00:10:40: Die Soldaten sind im Fallschirm runtergesprungen weil der Insel viel zu klein ist als es sein Flugzeug landen könnte und dieses Video hat die britische ARME veröffentlicht.

00:10:50: das sieht total spektakulär aus.

00:10:51: alle denken sich krass was passiert da?

00:10:54: Und genau sie haben ihm so über diese Falschimme Hipsmittel geliefert wie er versorgt werden kann!

00:11:00: Das ist auch natürlich ein Moment der sich medial total schnell weiter trägt.

00:11:05: Findest du, vielleicht übertreiben wir da auch ein bisschen?

00:11:08: Naja.

00:11:09: Also es gibt Medien die machen Live-Ticker zum Hunter Virus wo man schon Fragezeichen dahintermachen kann ob das jetzt live tickerwürdig ist.

00:11:18: Es gibt natürlich eine krasse Verbreitung in den sozialen Medien Die auch an Strukturen andockt die sich während der Corona Pandemie gebildet haben und auch schon wieder Verschörungstheorien transportieren.

00:11:32: Ja also wenn Du mich fragst ich Wir müssen als Medien sehr vorsichtig auch darauf gucken, wie wir mit solchen Ereignissen umgehen.

00:11:41: Das Geld für die Corona-Pandemie gilt eigentlich immer noch auch für eine Aufarbeitung der Corona- Pandemie was die Rolle der Medien betrifft und das gilt auch für weiterhin solche Großereignisse.

00:11:52: aber ja letztlich haben da gerade die Massenmedien aus so einer Dynamik, die sich dann so hochschraubt.

00:12:00: Und je mehr darüber berichtet wird, desto Facht das auch das Interesse der Bevölkerung an dem Fall, ne?

00:12:09: Total.

00:12:10: Ich bin

00:12:11: sehr gespannt wie es weitergeht in den nächsten Wochen und hoffe sehr dass einfach keine weiteren Fälle auftreten und das wieder abäppt.

00:12:18: Also ich glaube ein paar werden schon noch auftretend.

00:12:20: darauf muss man gefasst sein.

00:12:22: also wir dürfen darüber und sollten darauf hoffen dass das bei wenigen Fällen bleibt.

00:12:28: Sehr gut!

00:12:29: Echtig gehen lasse habe ich aber jetzt noch etwas vorbereitet Und zwar hier einmal in diesem Umschlag, den überreiche ich dir.

00:12:40: Das Ding der Woche ausgesucht vom Gesellschaftsteam der Wochentats...

00:12:45: Also das Großeste ist es jedenfalls nie?

00:12:47: Ah oh,

00:12:47: da bin du auch immer!

00:12:48: ...das Foto von etwas Größerem.

00:12:51: Okay.

00:12:52: Der Schuh einer bekannten amerikanischen Marke.

00:12:56: Ja, es ist ein Nike Air Force One.

00:12:58: Ich glaube, das dürfen wir an dieser Stelle sagen.

00:13:00: Weißt Du was es damit auf sich hat?

00:13:02: Nein

00:13:03: Ich geb es zu, ich wusste das auch nicht.

00:13:05: Und zwar hat Papst Leo diesen Schuh getragen in einer neuen Dokumentation.

00:13:11: Sie heißt Leona Aroma und die wurde von den vaticanischen Medien jetzt veröffentlicht und zeigt ihn bevor er Papst wurde.

00:13:21: Da zeigt er sich ganz lässig, trägt zwar seine Kutte aber dazu dieses Smeaker und irgendwie wird der jetzt da gehypt dass er ja ein bodenständiger Papst vielleicht ist, weil er ganz normaler Schuhe trägt.

00:13:36: Okay!

00:13:37: Danke für die Infos.

00:13:39: Gerne.

00:13:40: Etwas Absurdes.

00:13:42: Danke Mano, dass du da warst und

00:13:43: bis bald.

00:13:49: Hallo mein Name ist Gabi Koldewaj und ich betreue den Auslands-Recherscherfonds, den Förderverein der Tatsauslands Redaktion.

00:13:57: Recherchen aus dem Ausland kosten Zeit und Geld.

00:14:00: Unterstütze den Rechercherfond für kritische Berichterstattung.

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00:14:08: Alle Infos dazu findest du auf www.tatzde-auslandsrecherche.

00:14:17: Mir gegenüber sitzt jetzt Pauline Jekils.

00:14:20: Sie ist Redakteurin im Meinungsressort der TATS und hat zusammen mit Enno Schöning zu einem Polizeieinsatz am ersten Mai recherchiert.

00:14:27: Hi Pauline, schön dass du da bist.

00:14:28: Hallo, schön das ich hier sein darf.

00:14:31: Du warst am ersten Mai abends in Berlin-Kreuzberg unterwegs, wo jedes Jahr eine Demonstration stattfindet bei der es traditionell zur Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstrierenden kommt.

00:14:42: Dann ist euch eine Situation aufgefallen?

00:14:44: Was genau habt ihr dort beobachtet?

00:14:47: Ganz genau!

00:14:47: Wir haben erstmal nur beobachten können dass ein Mann durch die Bundespolizei weg von der sich gerade auflösenden Demonstration hin zu einer Seitenstraße am Südstern gezerrt wurde und dann an eine Hauswand gedrückt wurde.

00:15:03: Es war also eine Festnahmesituation.

00:15:05: Inzwischen wissen wir auch, dass es ein palästinensisch syrischer Mann war.

00:15:10: Und das Besondere war, dass in dem Moment wo wir und andere Passantinnen anfingen das Geschehen zu filmen haben dann mehrere BundespolizistInnen angefangen ihre Taschenlampe auf uns zu richten und haben dann vor allem die sogenannte Stroboskopfunktion eingeschaltet.

00:15:28: Ungangsprechlich

00:15:29: würde man wahrscheinlich sagen Flacker-Funktion einer Taschenlampe, also so ganz, ganz grelle und pulsierende Lichtblitze.

00:15:37: Und zuerst einmal waren wir dadurch natürlich sehr stark geblendet und dann wurde mir irgendwann klar welchen Effekt dieses Stroboscop-Licht noch hat.

00:15:47: auf unseren Videos konnte man nämlich eigentlich kaum noch irgendwas von dieser Festnahme erkennen weil einfach

00:15:54: diese

00:15:54: Lichtblitze die Aufnahme gestört haben.

00:15:58: Hattest du den Eindruck, dass die Polizei versucht durch diese Lichter zu verhindern?

00:16:02: Dass ihr was aufnehmen könnt?

00:16:04: Genau das war zumindest der Eindruck den wir hatten.

00:16:06: natürlich können wir dem Polizist nicht in den Kopf schauen aber es wirkte sogar fast so als haben die Polizisten schon von vornherein antizipiert dass es jetzt zu einer Situation kommen könnte die sie nicht auf Film haben wollen und deshalb eben diese Stroboskope benutzt haben.

00:16:27: Das ist zumindest unsere

00:16:28: Vermutung.".

00:16:29: Und genau so eine Szene ist dann auch passiert, obwohl der festgenommene Mann zumindest für uns nicht erkennbar sich irgendwie physisch gegen die Beamten gewährt hat.

00:16:39: Er hat einer der Bundespolizisten ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen und als er dann am Boden lag, drückte ein Polizist ihm noch einmal das Knie ins Gesicht.

00:16:49: also es kam hier wirklich zu Polizeigewalt gegen den Mann Und leider muss man aber diese Art von Polizeigewalt natürlich bei linken Demos in Berlin leider nichts Ungewöhnliches ist.

00:16:59: Es gibt ja extrem viele Fälle, gerade in den letzten Jahren und im Kontext von GASA-Demonstrationen zum Beispiel, aber auch in anderen Kontexten.

00:17:09: was für uns jetzt eben neu war es diese Taktik zu beobachten die zumindest so der Anschein dazu dienen soll dass die Dokumentation von Polizeimaßnahmen und in diesem Fall von Polizeigewalt verhindert werden soll.

00:17:21: Gab es da noch andere Polizeien-Sätze, bei denen bewusst Stroboskope eingesetzt wurden?

00:17:27: Das ist ganz interessant.

00:17:28: Wir haben zuerst mal festgestellt dass das nicht dokumentiert ist.

00:17:31: also es gibt zumindest haben wir keine öffentlich zugängliche Dokumentation solcher Fälle gefunden und dann dachten wir kurz vielleicht haben wir jetzt wirklich irgendwie einen Einzelfall mitbekommen.

00:17:43: ich habe dann aber auf Instagram so ein klein Aufruf gepostet mit der Frage ob irgendjemand schonmal diese Praxis beobachtet hat.

00:17:50: und zum Glück Folgen mir sehr viele Leute aus dem linken aktivistischen Milieu und da haben sich einige Leute gemeldet.

00:17:57: Und Aktivistinnen, auch Anwältinnen und Fotografen aus Berlin haben uns dann unabhängig voneinander geschildert, dass solche Einsätze von Truboskopen eigentlich seit Herbst im Kontext von Gazaprotesten beobachtet haben.

00:18:13: Wir haben dafür keine Beweise aber es haben eben sehr viele unterschiedliche Menschen uns so geschilderd Und Videomaterial, das uns auch vorliegt belegt.

00:18:23: Zumindest dass diese Taschenlamintestroboskopfunktion vereinzelt bei Protesten der Klimabewegung zum Beispiel gegen die Räumungen in Lützerath gegen Journalistinnen eingesetzt wurden.

00:18:32: Da haben wir auch Videomaterial von JournalistInnen bekommen.

00:18:36: Krass!

00:18:36: Das scheint ja schon so ein bisschen taktisch zu sein.

00:18:39: Ihr habt ja auch euren Presseausweis gezeigt.

00:18:42: Das heißt man ist eigentlich auch befugt.

00:18:44: Man darf da Videos aufnehmen.

00:18:47: Presserechtlich ist es auch problematisch oder?

00:18:50: Ja, genau das haben wir uns natürlich auch gedacht und wir haben dann mit dem Staatsrechtler Clemens Arz gesprochen.

00:18:56: Der bis zum Jahr zwanzig als Professor für Versammlungsrecht am Fachbereich der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht lehrte Und ihn gefragt ob das so okay ist ob die machen dürfen oder nicht.

00:19:08: und er sagt uns dass es da zu zwar bisher keine Rechtsprechung gibt Was auch daran liegt wahrscheinlich dass es einfach keine Dokumentation solcher Fälle gibt.

00:19:17: Er sagt aber ganz klar In der polizeilichen Maßnahme des aktiven Bländens zur Verhinderung von Bildaufnahmen liegt ein klarer Eingriff in die Pressefreiheit.

00:19:25: Bürgerinnen und JournalistInnen haben einfach grundsätzlich das Recht, Polizeieinsätze zu filmen.

00:19:30: Es ist auch egal ob wir als Presse erkennbar sind weil es gibt einfach dieses Recht, Polizeimaßnahmen zu dokumentieren.

00:19:38: Ausnahmen davon sind sehr eng, sagt Clemens Arzt.

00:19:41: Etwa dann zum Beispiel wenn eine Aufzeichnung irgendwie den Einsatz gefährdet.

00:19:45: aber er hat jetzt in diesem konkreten Fall wir haben ihm auch das Video gezeigt keine Anhaltspunkte dafür gesehen dass irgendwie der Einsatz gefährdert wurde durch die Aufzeichnungen.

00:19:54: Wir haben dann auch bei drei journalistischen Fachverbänden angefragt und sie haben sich dem im Prinzip angeschlossen.

00:20:01: Sie sagen auch es geht nicht.

00:20:03: Das widerspricht der Pressefreiheit.

00:20:07: Wie äußert sich denn die Berliner Polizei zu den Vorwürfen?

00:20:12: Ja, die Berliner Polizei hat natürlich eine Anfrage bekommen und bis jetzt eigentlich nicht geantwortet.

00:20:18: Also sie haben mehrfach dann nochmal um Fristverlängerung gebeten.

00:20:22: Sie hatten jetzt ungefähr ne Woche Zeit uns da zu antworten Und wir haben noch keine Antwort bekommen.

00:20:32: Wir haben aber tatsächlich eine Antwort deshalb weil die Reporter ohne Grenzen auch gleichzeitig eine Anfrage zu dem selben Fall geschickt haben.

00:20:42: Und da haben sie geantwortet, was auch interessant ist, dass Sie den Reporter ohne grenzen antworten uns aber bisher noch nicht.

00:20:49: Ja das ist absolut krass!

00:20:51: Sie könnten euch ja die gleiche Antwort checken, es wäre keine Arbeit für Sie.

00:20:54: Genau

00:20:54: und das wär gar kein Problem gewesen... heißt es, dass künstliche Beleuchtung zur Eigensicherung oder Identifizierung grundsätzlich zulässig sei.

00:21:04: Aber sie sagen auch selbst anders verhält es sich dann wenn Lichtquellen gezielt so eingesetzt werden das die Kameras plenden und damit die Anfertigung von Bild- oder Videoaufnahmen durch Medienschaffende erschweren oder unmöglich machen.

00:21:16: Das heißt sie ziehen da einfach auch selbst eine rechtliche Grenze.

00:21:20: Eine solche Maßnahme sagt die Polizei benötigt polizeiliche Rechtfertigung von Fall zu Fall.

00:21:26: Und in diesem Fall hätten sie da nicht genug Informationen, sagten Sie.

00:21:29: allerdings haben sie im Prinzip dasselbe Video bekommen das auch dem Staatsrechtler Clemens Arzt und den journalistischen Fachverbänden ausgereicht hat um ein sehr klares Urteil sich zu bilden.

00:21:43: Ich stelle mir jetzt auf vor, dass so extremes Flackerlicht gar nicht so ungefährlich ist für Menschen die Epidepsie haben.

00:21:49: man kennt so Schilder in Clubs oder bei Veranstaltungen Achtung, wenn ja so Warnungen ausgesprochen werden.

00:21:58: Wie seht ihr das?

00:22:00: Genau!

00:22:01: Das ist natürlich der andere Aspekt an dieser Sache.

00:22:04: Wir haben uns auch gefragt was bedeutet es für Menschen mit Epilepsie und haben den Vorstand der deutschen Gesellschaft für Epileptologie gefragt Und der meinte dass bei Statistisch ein von fünf tausend Personen So eine photosensible Epilepsy vorliegt und dass das Flacker liegt Bei diesen Menschen einen epileptischen Anfall auslösen können.

00:22:25: Betroffene sagten, die werden darauf hingewiesen, Troposkoplicht quasi zu meiden also zum Beispiel in Clubs.

00:22:34: nur kann das natürlich nicht bedeuten dass diese Menschen dann ihr Grundrecht auf Demonstrationen einfach nicht mehr wahrnehmen dürfen.

00:22:40: Das kann ja nicht die Konsequenz drauf sein.

00:22:42: es würde also bedeuten Menschen mit Epilepsie dürften gar nicht mehr irgendwie zu Demonstrations gehen weil sie davon ausgehen müssen.

00:22:50: die Polizei wendet diese Troposkoplichte an Und besonders interessant war bei unserer Recherche auch, dass die Polizeibeamten offenbar selbst im Einsatz von Stroboskopen einen Akt der Körperverletzung sehen.

00:23:04: Zumindest dann wenn es gegen sie selbst gerichtet ist.

00:23:07: Gab's da Fälle?

00:23:08: Ja!

00:23:08: Es gibt ein paar Fälle.

00:23:09: einer ist da besonders herausgestochen, jetzt ist in NRW passiert und da gibts eine Pressemeldung der Bundespolizei Wo es heißt, ein Mann habe einen Bundespolizisten im November twenty-fünfundzwanzig aus geringer Distanz mit dem Blitzlicht seiner Taschenlampe geblendet.

00:23:27: Also im Prinzip genau das was die Polizistinnen auch jetzt bei uns gemacht haben und der gebländete PolizIST habe dann vorübergehende Sehstörungen erlitten und über starke Kopfschmerzen geklagt Und die Bundespolizei leitete daraufhin eine Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

00:23:45: Also offenbar ist es aus Sicht der Bundespolizeigefährliche Körperverletzung, wenn man eben diese Stroposkope einsetzt.

00:23:53: Krass!

00:23:53: Der wart ihr dann ja auch ausgesetzt?

00:23:55: Ja

00:23:56: natürlich...

00:23:56: Da wird er wieder mit zwei Alleimas gemessen.

00:23:58: Wow!

00:23:59: Pauline, danke dass du hier warst und von eurer Recherche erzählt hast und wie gut das ihr am ersten Mai da vor Ort wart.

00:24:07: Ja, das stimmt.

00:24:09: Das war natürlich ein großer Zufall.

00:24:11: Vielen Dank, dass ich da sein durfte.

00:24:14: Tschüss,

00:24:43: bis bald.

00:24:49: Sie ist Redaktorin, im Meinungs- habe ich Redaktoren gesagt?

00:24:52: Ich mein nochmal.

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